Sich selbst motivieren: Ein neuer Ansatz

Sich selbst motivieren zu können ist die Voraussetzung um effektiv zu sein, Dinge zu ändern und Ziele umzusetzen, was grundlegende Bedürfnisse des menschlichen Gehirns sind.[1] 

Für unser emotionales Wohlbefinden ist es fundamental, dass wir uns selbst motivieren können.

Ohne Motivation, nichts los. Reimt zwar nicht, bringt das Ganze aber auf den Punkt. Sorry, ich bin wohl doch kein Dichter.

Jedes Ziel das wir erreichen wollen und jede tiefgreifende Veränderung, die wir vornehmen möchten, setzt voraus, dass wir uns selbst motivieren. Die berufliche Selbstständigkeit, ein Buch lesen anstatt die neueste Staffel Dschungelcamp anzuschauen, ehrlicher zu werden, ins Fitnessstudio zu gehen. Selbst der Gang vom Sofa zur Küche, um dir eine Tüte Chio Red Paprika Chips zu holen, benötigt eine gewisse Motivation. Das Leben ist kein Ponyhof.

Die wichtige Frage, die es zu beantworten gilt, ist somit: wie kann ich mich motivieren?

Wie bei so vielen anderen wichtigen Fragen, gibt es leider auch hier keine magische Zauberantwort. Sich selbst motivieren zu können hängt von diversen Faktoren ab. Doch was einer magischen Antwort am nächsten kommt, ist, intrinsische Motivation zu finden.

Bevor du jetzt dich auf dein Sofa zurückziehst, um dir die neue Staffel Dschungelcamp anzugucken (und zwischendrin aufzustehen, weil du die blöden Chips vergessen hast), lass mich das mit der intrinsischen Motivation erklären.

Sich selbst motivieren: intrinsische Motivation

Intrinsische Motivation beschreibt das Bestreben, etwas aus eigenem Willen zu tun. Weil wir in der Tätigkeit einen Sinn sehen, weil es für uns eine Herausforderung darstellt und vor allem, weil uns die Tätigkeit erfüllt und vielleicht sogar Spaß macht.

sich selbst motivieren 7Es ist gut möglich, dass du diese Art von innerer Motivation kennst (falls du gerade an Sex denkst, nein, die Art von Motivation meine ich nicht). Meistens betreiben wir ein Hobby aus einer intrinsischen Motivation heraus. Wir brauchen für die Aktivität keine Belohnung und keinen Anreiz, denn die Motivation liegt in der Aktivität selbst.

Anders sieht es mit extrinsischer Motivation aus. Extrinsische Motivation bezeichnet das Bestreben, bestimmte Leistungen zu erbringen, weil man eine Belohnung erwartet (z.B. Geld oder Anerkennung) oder Bestrafung vermeidet (z.B. eine Kündigung oder schlechte Zensuren).

Ist intrinsische Motivation vorhanden, ist es um ein vielfaches leichter, sich selbst zu motivieren. Wir sind leistungsfähiger, effizienter und sind bereit, mehr Zeit und Energie zu investieren.

So sind zum Beispiel Mitarbeiter, die intrinsisch motiviert sind, etwa dreimal engagierter als solche, die sich von extrinsischen Anreizen wie zum Beispiel Geld leiten lassen.[2]

Des Weiteren bestätigt die psychologische Forschung einen Zusammenhang zwischen einem auf das Erreichen äußerlicher Ziele basiertem Leben und dem Gefühl, unglücklich zu sein.[3]

Die magische Antwort auf die Frage wie kann ich mich motivieren ist somit, sich Dingen zu widmen, für die wir intrinsisch motiviert sind. Ist intrinsische Motivation vorhanden, ist es relativ einfach, sich selbst zu motivieren und wir brauchen weniger Willenskraft, Disziplin und Überwindung.

Mir fällt es mittlerweile nicht mehr schwer, ins Fitnessstudio zu gehen. Meine Motivation für das Training ist intrinsisch und ich tue es gerne. Ich trainiere nicht, um Anerkennung und Bestätigung zu bekommen, sondern tue es für mich. Das macht motivationstechnisch gesehen einen großen Unterschied.

Ähnlich sieht es mit dem Schreiben oder Drehen von Videos aus. Klar fällt es mir nicht immer einfach und ich habe Tage, da ich bin motivierter als an anderen, doch generell muss ich mich weder zum Schreiben noch zum Drehen von Videos großartig motivieren. Es ist zwar mein Job, aber die Motivation dafür ist größtenteils intrinsisch.

Verstehe mich nicht falsch, auch ich bin nicht immer hochmotiviert, produktiv und effizient. Motivation ist schließlich auch abhängig von externen Faktoren wie unserer Laune, unserem persönliches Umfeld, Schlaf oder auch Ernährung. Doch generell habe ich keine Motivationsprobleme, weil ich intrinsisch motivierten Zielen und Aktivitäten nachgehe.

Falls es dir schwer fällt, dich für gewisse Dinge zu motivieren, ist vielleicht nicht die Motivation das Problem, sondern die Aktivität selbst. Kann es sein, dass du deine Energie und Zeit der falschen Sachen widmest?

Ich hatte zum Beispiel früher keine Motivation für mein Studium. Das lag jedoch nicht daran, dass ich faul war und oder nicht bereit war, neue Dinge zu lernen, sondern daran, dass ich etwas studierte, dass mich nicht die Bohne interessierte.

Was ist dein Warum?

Bevor du nach konkreten Motivationstechniken suchst, solltest du dich erst mal fragen, warum du dich für gewisse Aktivitäten nicht motivieren kannst. Falls du dich gerade fragst, wie zum Teufel man als Angestellter mit Hungerlohn motiviert sein soll, mach dir bewusst, dass es auch Angestellte gibt, die ihren Job lieben und gerne machen.

Wenn du dich partout nicht zum Sport motivieren kannst, frage dich, warum du überhaupt Sport machen willst.

(Wie du dich zum Sport motivieren kannst, erfährst du hier: Motivation zum Sport)

Abnehmen um anderen zu gefallen, ist zum Beispiel keine intrinsische Motivation. Ich weiß, dass viele Männer ins Fitnessstudio gehen, weil sie glauben, dass sie dadurch mehr Erfolg bei Frauen haben werden (dachte ich früher auch).

Ändert sich jedoch ihre Einstellung über die Zeit nicht und finden sie keinen Spaß am Training, ist es wahrscheinlich, dass sie mit dem Training wieder aufhören.

Wir können nicht immer intrinsisch motivierten Zielen nachgehen. Doch dein Leben externen Errungenschaften wie Geld, Anerkennung oder vermeintlicher Sicherheit unterzuordnen, ist nicht deine beste Option.

Allerdings will ich dir auch keine Märchen erzählen. Selbst wenn wir für etwas intrinsisch motiviert sind, heißt das nicht, dass es immer einfach ist, sich zu motivieren.

Während ich in meinem Zimmer sitze und diesen Artikel schreibe, strahlt die Sonne und es hat 25 Grad. Eis essen und die Sonne genießen macht mich gerade mehr an als zu schreiben. Aber das Leben ist kein Ponyhof. Und selbst wenn es das wäre, das scheiß Pony würde diesen Artikel nicht schreiben.

In solchen Situation hilft es, sich zu fragen, was einem wichtiger ist. Sofortige Belohnung oder langfristigen Erfolg? Fitnessstudio oder Sofa, Dschungelcamp und Chio Red Paprika Chips?

Sich selbst motivieren 4

Werde dir über dein Ziel bewusst und frage dich, welcher Mensch du auf Dauer sein möchtest. Nicht dass das immer dazu führen wird, dass du die „richtige“ Entscheidung triffst, doch es kann dir dabei helfen.

Des Weiteren spielen in solchen Situationen auch immer Willenskraft und Disziplin eine große Rolle. Darauf einzugehen, würde diesen Artikel sprengen. Wie du aber z.B. deine Willenskraft trainieren kannst, erfährst du in diesem Artikel von Tim Hamer.

Sich selbst motivieren: gesunde vs ungesunde Motivation

Bevor uns das Leben nicht ordentlich in die Fresse schlägt, fehlt uns häufig die Motivation, große Veränderungen vorzunehmen. Viele erfolgreiche Menschen waren vor ihrem Lebenswandel ganz unten. Doch warum müssen wir häufig erst ganz unten sein, bevor es hoch hinaus geht?

Das liegt größtenteils daran, dass Schmerz zu vermeiden häufig eine stärkere Motivation ist, als Freude zu erlangen. Weg von motiviert mehr als hin zu.

Eine der häufigsten Gründe, warum Menschen in ihrem Leben nichts ändern, obwohl sie unzufrieden sind, ist, dass sie nicht unzufrieden genug sind. Es geht ihnen zwar nicht super, aber auch nicht so richtig scheiße. Und so lange die Dinge OK sind, ist der Antrieb nicht groß genug, etwas zu ändern.

Doch selbst wenn Schmerz uns einen guten Arschtritt geben kann, sollte er nicht unsere dauerhafte Motivationsquelle sein. Schmerz zu vermeiden ist letztendlich auch nur eine weitere Art von extrinsischer Motivation.

sich selbst motivierenNicht selten ist die Motivation hinter einer großen Karriere irgendeine Art von Schmerz. Der Antrieb vieler beruflich erfolgreicher Menschen (erfolgreich im Sinne von Geld und Macht, nicht von Zufriedenheit) ist, dass sie ihre Eltern oder die Gesellschaft etwas beweisen wollen.

Sie fühlen sich nicht geliebt und wertgeschätzt und glauben unbewusst, dass wenn sie erst erfolgreich werden, sich das ändern wird.

Als ich vor einigen Jahren angefangen habe, an meinem Online-Business zu arbeiten, war meine größte Motivation Angst. Über ein Jahr lang wusste ich nicht, ob ich jemals einen Cent mit meiner Webseite sehen würde. Und einen Plan B hatte ich nicht…

Die Angst, dass es nicht klappen könnte, hat dazu geführt, dass ich einen Großteil meiner Zeit und Energie in das Business steckte. Es hat sich gelohnt, aber es war alles andere als angenehm. Und auf Dauer wäre die Art der Motivation mental wie auch physisch ungesund gewesen.

Mittlerweile ist meine Motivation eine andere. Ich arbeite, um anderen Menschen zu helfen, um mich selbst weiterzuentwickeln und weil es mir Spaß macht. Natürlich muss ich Geld verdienen, deshalb habe ich auch kostenpflichtige Produkte.

Doch mittlerweile ist meine Motivation keine weg von sondern eine hin zu Motivation.

Falls dich Schmerz motiviert, eine Veränderung herbeizuführen, ist das in Ordnung. Es ist ein wirksamer erster Hebel. Doch achte drauf, dass du deine Motivation früher oder später änderst. Von weg von zu hin zu. Von extrinsisch zu intrinsisch. Von Schmerz vermeiden zu Freude erlangen.

Erkenne dich selbst

Psychologische Studien zeigen immer wieder, dass wir eine schlechte Selbsterkenntnis haben. Das führt dazu, dass wir uns selbst belügen, uns etwas vormachen und nicht herausfinden, was wir wirklich wollen. Wenn du dich selbst besser kennenlernen möchtest und entdecken willst, was dich intrinsisch motiviert, dann lade dir meinen Ratgeber Innere Stärke herunter. Der Ratgeber hat 21 Seiten und du kannst ihn dir kostenlos als PDF herunterladen.

Fußnoten

[1] Bandura, A. (1977) Self-Efficacy: Toward a Unifying Theory of Behavioral Change. ) Psychological Review 84, S. 191-215 und Bandura, A. (1982) Self-Efficacy: Mechanism in Human Agency. Amercian Psychologist 37, S. 122-147
[2] Intrinsic Motivation and Employee Attitudes: Role of Managerial Trustworthiness, Goal Directedness, and Extrinsic Reward Expectancy (2012). Cho, Y. J. & Perry, J. L. Review of Public Personnel Administration 32(4), S. 382-406.
[3] The cybernetics of happiness: The relation of goal attainment, rumination and affect (1992). Mcintosh, W. D. & Martin, L. L. Review of Personality and Social Psychology Vol 14, S. 222-246.

8 Kommentare
  1. toxic
    toxic says:

    Motivation kommt und geht, Spaß kommt und geht, trauer kommt und geht. Fakt ist, ich kann mich nicht auf die Motivation verlassen, sonst tue ich etwas ja nur, wenn ich lust habe und das ist nur ab und zu der fall. Sinn macht es, sich eine Gewohnheit anzueignen und sich ihr zu verpflichten, so dass man wenn man es schafft durchzuziehen über eine längere Zeit hinweg, dass es egal ist, ob lust oder nicht, man wirds trotzdem tun. Und zu diesem Zustand will man gelangen. Ich habe mich verpflichtet, jeden tag eine frau anzuquatschen und ich merke nach 3 wochen, wie die motivation flöten geht, selbst wenn es spaß macht, aber ich ziehe es durch und die gewohnheit führt mich dann zum Erfolg. Egal welcher lebensbereich, ob musikinstrument, fitness oder frauen ansprechen: man muss es kontinuierlich tun und da ist es wichtiger dran zu bleiben und weiterzumachen als dass man konkrete resultate bekommt, und an diesem dran bleiben muss man arbeiten bis es zur einer gewohnheit geworden ist

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    • Anchu Kögl
      Anchu Kögl says:

      Hi Toxic,
      ja, Gewohnheiten sind wichtig. Doch Gewohnheiten funktionieren am besten, wenn man sie täglich nachgeht, wie ich z.B mit dem meditieren. Beim Fitness ist es da schon schwieriger, da man vermutlich nicht jeden Tag geht.
      Aich bei anderen Dingen, wie z.B. dem Beruf, bringt einem die „Macht der Gewohnheit“ nicht mehr so viel.
      LG

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  2. Olga Eser
    Olga Eser says:

    Ein toller Artikel, vielen Dank!
    Eine interessante Beschreibung der intrinsische und der extrinsische Motivation, die du in diesem Artikel veröffentlichst. Erst gestern hatte ich einen interessanten Dialog mit einem guten Freund bezüglich der Eigenmotivation geführt. Er ist ein Autoverkäufer. Als er anfing bei seiner Firma zu arbeiten, fing er auf Provisionsbasis zu arbeiten, so wie die meisten Autoverkäufer dies tun. Dann hat er festgestellt, dass so eine Art der Provisionsbasis stresst ihm unheimlich und er kann sich selbst nicht motivieren mehr und bessere Leistungen zu erbringen. Er war permanent unter Stress und konnte nicht sich auf seine Erfolge konzentrieren. Dann hatte mit seinem Chef auf einen Festgehalt verhandelt und seitdem geht es ihm viel besser. Er leistet mehr und bessere Arbeit, als die für die er bezahlt wird. Hin und wieder bekommt er noch Bonus Auszahlungen und mehr Anerkennung. Mittlerweile ist er schon seit 6 Jahren bei seiner Firma und sein Beruf macht ihm einen riesen Spaß.

    Viele Grüße
    Olga

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  1. Wie du mühelos dein Verhalten ändern kannst | grenzenlosgelassen sagt:

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