Arbeiten nur um Geld zu verdienen? Verschwende nicht dein Leben

taxes-226718_640Lange Zeit war ein Großteil der Menschheit durch die bloße Sicherung ihrer Existenz stark in Anspruch genommen. Die Frage, ob Arbeit sinnvoll und erfüllend ist, wurde nicht gestellt. Man war zufrieden, wenn man genug zu essen hatte, ein Dach über dem Kopf und älter als 50 Jahre alt wurde.

Die Zeiten haben sich geändert, zumindest größtenteils in der westlichen Welt. Viele von uns haben heutzutage den Luxus, sich die Frage nach erfüllender Arbeit stellen zu können.

Oft ist es uns nicht bewusst, doch wir haben die Möglichkeit, eine Arbeit zu finden, die uns sinnvoll erscheint, emotional erfüllt und sich finanziell lohnt. Noch weniger ist uns jedoch bewusst, dass wir zu einer Minderheit gehören, die diese Chance hat. Und deshalb sollten wir sie unbedingt nutzen.

Doch viele Menschen fühlen sich von dieser Freiheit eher bedrückt, als erfreut. Mittlerweile sprechen Psychologen sogar von der Quarterlife-Crisis. Das ist die Krise zwischen dem 21. Und 29. Lebensjahr, größtenteils verursacht durch die schier endlosen Wahlmöglichkeiten, die wir heutzutage haben. Soll ich eher Ingenieurwesen, Space Master, Namenskunde oder International Business studieren? An der Uni, FH oder als duales Studium? In Deutschland oder im Ausland? Ich könnte allerdings auch eine Ausbildung machen. Oder soll ich doch lieber in einem Start-up anfangen und Teil eines jungen und dynamischen Teams werden?

Auch scheiß drauf, ich gehe erst mal in die Bar.

Die Möglichkeiten sind schier endlos. Doch das ist für viele nicht befreiend, sondern eine Last. Hinzu kommt, dass wir durch unser Umfeld und dessen Werte stark beeinflusst werden. Das Thema Sicherheit und Geld spielen bei der Studien- und Berufswahl noch immer eine große Rolle. Mach doch was Vernünftiges, halt es im Hinterkopf. Dadurch entscheiden sich viele für ein Studium oder einen Beruf der sie nicht wirklich interessiert. Und bereuen es.

Eine europaweite Studie ergab, dass 60% der Befragten einen anderen Beruf wählen würden, wenn sie noch ein Mal von vorne anfangen könnten.

Die endlosen Möglichkeiten, der Einfluss der Gesellschaft und fehlende Selbsterkenntnis, führt häufig dazu, dass wir ein Studium oder Beruf wählen, der uns nicht erfüllt. Viele halten krampfhaft an einer weit verbreiteten Einstellung fest:

Es ist in Ordnung, einer Arbeit nachzugehen die mich nicht erfüllt, solange ich mir das Leben leisten kann, was ich will. 

Diese Einstellung zählt für mich zu den größten Denkfehler unserer modernen Gesellschaft. Doch wieso sollte wir einer Arbeit nachgehen, die uns nicht erfüllt, wenn wir dir Möglichkeit haben, auch mit erfüllender Arbeit Geld zu verdienen? Das ist eine simple Frage, doch denke mal kurz darüber nach.

Der Einfluss des Gehalts auf die berufliche Zufriedenheit liegt nachweislich bei unter 2%. Doch nicht nur das, auch der Einfluss des Gehalts auf unser wahrgenommenes Glück ist beschränkt. Autor Roman Krznaric behauptet, dass das Fehlen einer eindeutigen positiven Korrelation zwischen steigendem Einkommen und wachsendem Glück eine der größten Erkenntnisse der modernen Sozialwissenschaften ist.

Viele Menschen wissen das intuitiv, ändern aber trotzdem nichts. Sie lassen sich von den gesellschaftlichen Werten leiten, anstatt ihren eigenen zu folgen und sich beruflich selbst zu verwirklichen.

Ach Anchu, es sind doch nur acht Stunden am Tag! Falsch.

Direkt oder indirekt verbringen wir den Großteil des Tages mit Arbeiten. Zu den acht Arbeitsstunden, falls es nicht mehr sind, summieren sich Hin- und Rückfahrt sowie die Mittagspause schnell zu weiteren zwei Stunden. Was ist also der eigentliche Deal, den wir eingehen? Wir tauschen fünf gegen zwei. Fünf Tage etwas zu tun, dass uns nicht erfüllt, um zwei Tage frei zu haben. Nicht unbedingt clever.

Seit dem das Buch „Die 4-Stunden-Woche“ von Tim Ferriss erschienen ist, träumt so manch einer von einem passiven Online-Einkommen. Ich selbst arbeite online. Doch vier Stunden Arbeitszeit pro Woche? Das ich nicht lache. Vier Stunden Arbeit hab ich wie die meisten anderen vor dem Mittagessen hinter mir. Doch selbst wenn du es schaffst nur vier Stunden pro Woche zu arbeiten, was willst du den Rest der Zeit machen?

Jeden Tag Strand und Cocktails kotzen dich irgendwann genauso an wie Meetings und nervende Arbeitskollegen. Gut, das ist vielleicht ein bisschen übertrieben. Doch nichts tun macht uns nicht glücklicher, häufig bewirkt es sogar eher das Gegenteil.

Das Problem ist nicht viel zu arbeiten, sondern dauerhaft etwas zu tun, was uns nicht erfüllt.

Zugegeben, auf diesen simplen Satz bin ich ziemlich stolz, doch poetischer hat es schon über 100 Jahre vor mir der Schriftsteller Fjodor Dostojewski ausgedrückt. Er schrieb, es sei die schrecklichste Strafe für den Menschen, lebenslang zu einer Arbeit verurteilt zu sein, die ihm vollkommen zweck- und sinnlos erscheint.

Du wurdest zu nichts verurteilt. Du hast die freie Wahl, auch wenn du dir darüber vielleicht gerade nicht bewusst bist. Doch arbeitest du nur, um Geld zu verdienen, verschwendest du dein Leben.

Du hast die Möglichkeit, dich beruflich selbst zu verwirklichen. Das ist ein Luxus, den deine Großeltern wahrscheinlich nicht hatten. Das ist ein Luxus, von dem die Favelabewohner in Brasilien nicht mal träumen können. Das ist ein Luxus, den für den Obdachlosen vom Bahnhof surreal ist.

Du hast diesen Luxus. Schmeiße diese einmalige Chance nicht über Bord.

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6 Kommentare
  1. Paul
    Paul says:

    Hi Anchu,
    interessanter Artikel. So hatte ich das noch nie betrachtet.
    Auch wenn die Umsetzung nicht einfach ist, hast du recht. Wir haben eine ziemlich einmalige Chance und können unseren Beruf frei wählen.

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  2. Sascha
    Sascha says:

    Der Beitrag spricht mir aus der Seele. Die meisten Menschen arbeiten wirklich nur um Geld zu verdienen oder um Schmerz zu vermeiden. Sie gehen unterm Strich nur Arbeiten um nichts negatives in Ihrem Leben zu bekommen. Das ist jedoch keine Selbstverwirklichung. Selbstverwirklichung kann nur eintreten, wenn man Tag für Tag etwas macht, was man auch machen würde, wenn man dafür kein Geld bekommt und Geld keine Rolle mehr spielen würde.

    Schuld daran ist die soziale Matrix. Eine komplexe Ansammlung von Glaubenssystemen in deinem Kopf, die dazu führen, dass du nicht der Mensch bist, der du eigentlich sein willst und nicht das Leben lebst, das du wirklich leben möchtest. Diese soziale Programmierung hält uns davon ab, unsere Träume zu erfüllen und hält uns in der Abhängigkeit.
    LG Sascha

    Antworten
  3. Christian
    Christian says:

    Schöner Artikel. Habe Deinen Rat befolgt und habe etwas gelernt, was mir Spaß macht. Leider hörte der Spaß dann im Laufe der Zeit auf, als das Gehalt so niedrig wurde, dass man vom Spaß nicht mehr ansatzweise leben konnte, selbst auf niedrigstem Niveau. Ein weiterer Punkt ist – selbst wenn etwas Spaß macht, aber die weiteren Rahmenbedingungen nicht stimmen wie z.B. ätzende Kollegen oder cholerische Chefs und beknackte Arbeitszeiten mit unbezahlten Überstunden und Arbeit auf Abruf sowie Schichten – da wird selbst der größte Spaß zerstört. Somit muss man dann doch wieder in den nicht spaßigen Bereichen arbeiten, um sich über Wasser zu halten. Also ich habe viele Interessen, die ich liebend gerne auch ohne Geld weiterverfolgen würde, doch leider werden die angenehmen Dinge miserabel bezahlt. Und aus Spaß an der Freude kein Geld – da hört der Spaß auf. Unter der Hand werden inoffiziell die besten Jobs (thematisch interessant, mit Perspektiven, machbar, Work-Life Balance super, Gehalt in Ordnung, ötlich erreichbar oder in super Umgebung) in den Familien-Dynastien alteingesessener Mittelständler sowie großer Firmen intern weitergegeben und nur die undankbartsen Jobs werden offiziell ausgeschrieben. Ohne Vitamin B, C, D keine Chance. Ja, ab einer gewissen sicheren, ausreichenden Menge Geld hat Geld pro Monat keine große Bedeutung mehr. Aber darunter hat es sehr wohl eine wichtige Funktion, sonst läuft nichts. Und wer denkt, er könnte seine Freiheit in der Selbstständigkeit suchen – Pustekuchen. Man wird förmlich von der Krankenversicherung und den Finanzämtern gejagt und hat es mit der tollen Zahlungsmoral der Kunden zu tun – kurz – man ackert mehr als im Angestellten-Gefängnis für die Interessen der Obrigkeiten und es bleibt kein nutzbares FREIES Geld im Portemonnaie. Wie sieht man den Artikel denn aus diesem Blickwinkel heraus? Ich kann sehr sehr gut verstehen, wieso die meisten sich an ihre Standardjobs klammern, da ohne Job sofort Absturz und meistens die komplizierten, langweiligsten, körperlich und seelisch anstrengendsten Jobs gerade die sind, die noch bezahlt werden. Hat mit Spaß aber nichts mehr zu tun. Den muss man sich in den paar Stunden Freizeit nach der Arbeit holen. Ich denke, die Einzigsten, die wirklich Spaß und Erfüllung in Ihrer Arbeit sehen, sind entweder Geschäftsführer, erfolgreiche Selbstständige (Komiker, Youtuber, Schauspieler, Musiker, Web Entrepreneure, Blogger etc.) oder Leute, die in Spaßjobs wie z.B. Fitnesstrainer, Yogalehrer/Sportbereich, Musiklehrer, Marktanalyse/Kundenverhalten /Kaufverhalten/Psychologie oder z.B. Kunsthandwerk arbeiten. Ich denke auch, dass man “Spaß” im Job abschwächen sollte, in zumindest “den Neigungen” etwas entsprechende Jobs wie z.B. dass jemand, der vielleicht sozial eingestellt ist, Krankenschwester oder Pfleger ist, aber durch schlechte Rahmenbedingungen leidet, den Job aber von der Überzeugung und von den Anforderungen her noch durchhält, weil er zum Charakter/Wesen passt. Und – irgendjemand muss ja letztendlich die “unliebsamen” Jobs machen, denn wenn sich jeder selbst verwirklichen würde, dann würden wir in einer Art Hippie-Kommune leben, wo täglich Gitarre gespielt würde, aber sich jeder selbst vor Eindringlingen verteidigen müsste, weil kein Polizist existieren würde bzw. würde es keine modernen Kommunikationsmittel geben und bei Krankheiten könnte man nur sehr schwach mit Heilkräutern oder Physiotherapie aushelfen, weil die Spezialisierung für Medikamententwicklung und Operationen sowie Spezialgeräte und Reinraum fehlen würde, geschweige denn sogar die fehlende Mobilität. Die meisten Jobs sind nicht ohne Grund vorhanden. Sie müssen einfach erledigt werden. Für einfache oder spaßige Jobs gibt es keinen großen Bedarf, die kann und will man ja selbst erledigen.

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