Nein Sagen

Du kannst nicht Nein sagen? Mit diesen 3 Tipps schaffst du es

Nein sagen ist nicht immer einfach. Wieso ein klares Nein jedoch oft sehr wichtig ist und welche 3 Tipps dir beim Neinsagen helfen, verrate ich dir in diesem Artikel.

  • Nein SagenDu stehst viel zu selten für deine eigenen Werte, Bedürfnisse und Ziele ein.
  • Du hilfst viel zu häufig anderen Menschen, und vernachlässigst dabei selbst.
  • Du gehörst zu den Menschen, die es immer jedem recht machen wollen.

Wenn mindestens eine dieser Aussagen auf dich zutrifft, dann hast du eine wichtige Fähigkeit nie gelernt:

Nein sagen.

Und weil ich dieses Problem kenne, habe ich mir für dich Gedanken gemacht. Und drei Tipps herausgesucht, die dir dabei helfen werden, nur dann ja zu sagen, wenn du es auch wirklich so meinst.

Bevor wir uns der Lösung deines Problems widmen, sollten wir jedoch noch einen Blick auf dessen Ursachen werfen.

Wieso du nicht nein sagen kannst

Wie viele deiner psychischen Prägungen ist auch deine Unfähigkeit, nein zu sagen, in deiner Kindheit entstanden.

Vielleicht akzeptierten und lobten deine Eltern dich nur, wenn du ein Verhalten an den Tag legtest, das exakt ihren Vorstellungen entsprach.

Anstatt deine Kreativität und deinen eigenen Willen wertzuschätzen, haben sie dir einen von ihnen gewählten Lebensweg vorgegeben. Dein junges Ich aus dieser äußerst einschränkenden Behandlung deiner Eltern den drastischen Schluss gezogen, dass deine eigenen Wünsche und Bedürfnisse nicht wichtig seien.

Dies hat zwar dazu geführt, dass du dich schon immer anderen Menschen anpassen und hervorragend im Team arbeiten konntest – gut nein sagen kannst du jedoch bis heute nicht.

Vielleicht hast du als Kind oder Jugendlicher immer dann am meisten Aufmerksamkeit und Dank erhalten, wenn du anderen Menschen – zum Beispiel deinen Eltern, deinen Geschwistern oder deinen Freunden – geholfen hast.

Unterbewusst hast du die Überzeugung entwickelt, dass du nur dann wertvoll bist, wenn du dich für andere aufopferst. Und auch wenn du heute für deine Hilfsbereitschaft geliebt wirst – einem Teil in dir ist bewusst, dass der Preis für dein Helfersyndrom zu hoch ist.

Obwohl du weißt, dass du dich selbst vernachlässigst, wenn du dich immer nur um andere kümmerst, kannst du mit dem Helfen nicht aufhören. Nein sagen fällt dir bis heute schwer.

Vielleicht leidest du aber auch an einem generell geringen Selbstvertrauen.

Du bist davon überzeugt, dass auf deine eigene Urteilsfähigkeit kein Verlass ist. Und weil du allen anderen Menschen viel mehr zutraust als dir, sagst du zu allem, was sie tun und sagen ja.

Dass du tief in deinem Innern den Wunsch nach Freiheit und Selbstständigkeit hast, dass du eigene Entscheidungen treffen und eigene Fehler machen möchtest, hast du über lange Zeit hinweg ignoriert. Denn dazu müsstest du ja erstmal nein sagen können.

Egal, woher deine Unfähigkeit zum Neinsagen herkommt:

Langfristig wird sie dir dein Leben zur Hölle machen.

Als Kind immer nur das zu machen, was andere sagen, ist doof

Nein Sagen

Denn nicht nur wirst mit deinem ständigen Ja-Gesage dafür sorgen, dass andere Menschen deine Grenzen überschreiten und dich ausnutzen.

Du wirst dadurch auch nie richtig lernen, deinen eigenen Lebensweg zu gehen. Und ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Du hast keine Lust auf diese Konsequenzen?

Dann lies weiter.

1. Nein sagen: Erkenne, dass du am wichtigsten bist

Egal, was du in deinem Leben gelernt hast. Egal, was dir andere erzählen. Und egal, was die ängstliche, verwirrte Stimme in deinem Kopf dir erzählen möchte:

Der wichtigste Mensch in deinem Leben bist du.

Wenn du diese Tatsache nicht nur rational erkannt, sondern auch emotional verstanden hast, dann fängst du an, Entscheidungen zu treffen, die im Einklang mit deinem authentischen Ich sind. Und nur dann ja zu sagen, wenn du auch wirklich hinter dem Ja stehst.

Du magst dich jetzt vielleicht fragen:s

„Wenn ich mich selbst am wichtigsten nehme, verhalte ich mich dann nicht unglaublich egoistisch?“

Nein, das tust du nicht.

Wenn du zu einem Menschen wirst, für den seine eigenen Bedürfnisse und Ziele oberste Priorität haben, passieren nämlich zwei Dinge:

1. Du wirst für andere greifbarer

Wenn andere Menschen dir begegnen, wissen sie nun, woran sie sind. Sie wissen, dass du nur dann ja sagst, wenn du es auch so meinst.

Anstatt ständig davor Angst haben zu müssen, dass sie zu viel von dir verlangen (weil du ja nicht nein sagen kannst), können dir andere Menschen entspannt und auf Augenhöhe begegnen.

Wenn du nicht nein sagen kannst, zeigst du anderen Menschen nie dein authentisches Ich

Nein Sagen

Mein ehemaliger WG-Mitbewohner konnte beispielsweise nie sehr gut nein sagen:

Neunzig Prozent der Zeit verhielt sich dieser Mensch ziemlich still. Anstatt Dinge, die ihn an meinem Verhalten störten, sofort anzusprechen, sagte er einfach nichts. Als Folge davon hatte ich keinen blassen Schimmer davon, wie ich ihn behandeln sollte.

Wenn mein Mitbewohner dann ab und zu wegen einer Kleinigkeit ausrastete – und so ziemlich alles, was ihn je an meinem Verhalten gestört hatte, auf einmal auf den Tisch packte – war ich umso überraschter.

Sobald du lernst, dich selbst wirklich wichtig zu nehmen, wirst du nicht mehr in solche Situationen geraten.

Denn anstatt dafür zu sorgen, dass sich in dir eine Vielzahl negativer Emotionen zu einem Tornado an Wut und Groll aufstauen, wirst du nun nämlich sofort nein sagen.

Zum Beispiel dann, wenn dich das Verhalten eines anderen Menschen stört. Oder dann, wenn eine Entscheidung getroffen wurde, mit der du eigentlich nicht einverstanden warst.

2. Du kannst dich besser um andere Menschen kümmern

Du magst vielleicht denken, dass es sozial oder ehrenwert ist, dir für andere Menschen den Arsch aufzureißen.

Lass mich diese Illusion zerstören – das ist es nicht.

Denn je mehr du dich für andere verbiegst, indem du zu allem ja sagst, desto psychisch ungesünder lebst du.

Über kurz oder lang machst du dich mit deinem ständigen Ja-Gesage unglücklich. Vielleicht landest du dadurch sogar in einer Depression oder einem Burnout.

Und in diesem psychisch heruntergewirtschafteten Zustand bist du keinem Menschen eine Hilfe. Erst recht nicht denjenigen, denen du ursprünglich helfen wolltest.

Wenn du versuchst, jedes Feuer zu löschen, brennst du irgendwann selbst aus

Nein Sagen

Dich selbst an die oberste Stelle zu setzen, ist demnach höchst sozial. Denn wenn du gut für dich sorgst, kannst du anderen Menschen mit deiner vollen Kraft begegnen.

Und aus dieser Kraft heraus kannst du anderen Menschen am besten helfen.

Führe dir diese Tatsache vor Augen, wenn du wieder einmal das Gefühl hast, jedem Menschen auf dieser Welt helfen zu müssen.

2. Nein sagen: Lerne dich besser kennen

Immer, wenn du aus gutem Grund nein sagst, sagst du auch gleichzeitig ja – ja zu deinem authentischen Selbst.

Um ja zu dir sagen zu können, musst du allerdings erst einmal herausfinden, was dir wichtig ist:

  • Welche Werte haben bei dir die oberste Priorität?
    Ehrlichkeit, Fleiß, Leidenschaft, Loyalität oder Achtsamkeit sind nur einige Beispiele für Werte, an denen du dein Leben orientieren kannst. Welche Werte zu dir passen, musst du jedoch selbst herausfinden.
  • Welche Bedürfnisse hast du?
    Auch wenn es bestimmte Grundbedürfnisse gibt, die jeder von uns hat – wie stark diese Bedürfnisse bei jedem Einzelnen von uns ausgeprägt sind, ist individuell verschieden. So kann es zum Beispiel sein, dass dir Freiheit wesentlich wichtiger ist als Bindung, während es bei deiner besten Freundin genau anders herum ist.
  • Was möchtest du in deinem Leben erreicht haben?
    Natürlich ist das Leben keine To-Do-Liste. Und viele der Ziele, die du im Moment vor Augen hast, werden schon in drei Jahren keine Rolle mehr spielen. Dennoch solltest du dir hin und wieder bewusst machen, wo die Reise deines Lebens hingehen soll.

Wie gut kennst du dich wirklich?

Nein Sagen

Je häufiger du dich bewusst mit deinen Werten, Bedürfnissen und Zielen beschäftigst, desto besser lernst du dein authentisches Ich kennen.

Und desto leichter wirst du nein sagen können, wenn du Gefahr läufst, nicht im Sinne dieses Ichs zu handeln.

(Lies auch: Stark sein: 7 Tipps für mehr innere Stärke)

3. Nein sagen: Übe es jeden Tag

Je häufiger du eine Sache machst, desto einfacher wird sie für dich.

Weil es beim Neinsagen nicht anders ist, solltest du dich am besten tagtäglich darin üben:

  • Tante Elfriede bietet dir bereits zum dritten Mal eine Portion Kartoffeln mit Soße an, obwohl du mittlerweile schon mehr als satt bist? Vergiss die falsche Höflichkeit und lehne den Nachschlag dankend ab.
  • Der freundlich grinsende junge Mann, der dir ein Gratis-Abo der süddeutschen Zeitung anbieten will, geht dir einfach nur auf den Sack? Dann lauf doch einfach weiter, anstatt dich auf ein Gespräch mit ihm einzulassen.
  • Du wirst bei der Installation deines Antiviren-Programms gefragt, ob du noch fünf neue Browser-Erweiterungen installieren möchtest? Sage nein, indem du ausnahmsweise mal nicht auf den „Jetzt-Installieren“-Button klickst.

Mir ist bewusst, dass es andere Situationen gibt, in denen das Neinsagen nicht so einfach ist.

Wenn du allerdings klein anfängst, wirst du auch in schwierigeren Situationen leichter nein sagen können.

Was du beim Nein-Sagen beachten solltest

Dass du häufiger nein sagst, ist wichtig.

Ebenso wichtig ist jedoch, wie du dieses Nein formulierst. Anstatt dein Gegenüber einfach vor vollendete Tatsachen zu stellen, kannst du dein Nein nämlich auch in einer höflichen und mitfühlenden Art begründen:

Nehmen wir an, du hast dein Leben seit Kindheitstagen dem Klavierspiel gewidmet. Als du feststellst, dass die weltgrößte Klaviermesse demnächst zum ersten Mal seit Jahrzehnten in Deutschland stattfindet, bist du vollkommen aus dem Häuschen.

Nicht zu dieser Messe zu fahren, kommt für dich nicht infrage. Und das, obwohl du weißt, dass deine bessere Hälfte an dem Messewochenende Geburtstag hat.

Als dich dein Partner dann darum bittet, dein Ticket wieder zu verkaufen und das Wochenende mit ihm oder ihr zu verbringen, musst du dich zwischen deiner Beziehung und deiner lebenslangen Leidenschaft entscheiden.

Nein sagen ist Übungssache – genau wie … Klavierspielen

Nein Sagen

Weil dir das Klavierspielen heilig ist, entscheidest du dich für Letzteres. Weil dir dein Partner jedoch sehr wichtig ist, erklärst du ihm oder ihr, wieso du dich für die Messe entschieden hast:

„Schatz, ich liebe dich über alles. Und ich kann es verstehen, dass du deinen Geburtstag zusammen mit mir verbringen möchtest.

Gleichzeitig war das Klavierspiel schon immer meine größte Leidenschaft. Seit meiner Jugend ist es mein größter Herzenswunsch, die internationale Klaviermesse zu besuchen. Und weil ich weiß, dass ich eine solche Gelegenheit nicht nochmal bekommen werde, werde ich zur Messe fahren.

Ich verspreche dir, dass wir deinen Geburtstag gebührend nachfeiern werden!“

Auch wenn dieses Beispiel wahrscheinlich nicht auf dich zutrifft, wirst du eine Sache erkannt haben:

Welchen Ton du beim Nein-Sagen wählst, macht den entscheidenden Unterschied.

Nun, wo du weißt, dass du nein sagen kannst, ohne dein Gegenüber zu verletzen, wird dir das kleine Wörtchen viel leichter über die Lippen kommen.

Und je einfacher du aus Überzeugung nein sagen kannst, desto selbstbewusster und freier gehst du durch dein Leben.

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2 Kommentare

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  1. Eva
    Eva sagte:

    Lieber Anchu, habe eben dein Video übers Selbstbewusstsein gesehen und hier über das Neinsagen gelesen. Ich fühle mich viel besser. Die Gründe sind einfach und einleuchtend und ich fühle mich leicht, weil ich nun ohne Schuldgefühle Nein sagen werde und selbstbewusst angstfrei meine Grenzen ziehen werde. Danke!

    Antworten