3 Wege, um besser mit Tod und Trauer umzugehen

Das ist ein Gastartikel von Marina Schüßler. Mehr über sie und ihre Arbeit erfährst du am Ende des Artikels. 

Es gibt genau eine Sache, die wir alle gemeinsam haben. Und vielleicht macht genau diese Tatsache es so schwer darüber zu sprechen. Ob wir wollen oder nicht, irgendwann kommt der Zeitpunkt an dem wir „Lebewohl“ sagen und sterben.

Und den meisten Menschen bleibt es auch nicht erspart, irgendwann in ihrem Leben einen anderen Menschen für immer gehen lassen zu müssen.

Das wohl schmerzhafteste, dass uns in unserem Leben widerfahren kann.

Was passiert, wenn ein Angehöriger, jemand den du liebst, stirbt und wie gehst du am besten damit um?

Ich selbst habe vor knapp zwei Jahren meinen Vater auf seinem letzten Weg begleitet und lebe meine Trauer um ihn sehr intensiv. Es war mir sogar möglich dieses Ereignis zu wandeln. In einen Moment, für den ich dankbar bin, weil er mein Leben– neben all dem Schmerz– positiv beeinflusst hat.

Wenn dein Lieblingsmensch stirbt – und falls du das schon erlebt hast, weißt du genau wovon ich spreche– wird dein komplettes Universum einmal in die Luft geschmissen und scheinbar vergisst jemand es wieder aufzufangen und lässt es, als wäre es selbstverständlich, auf den Boden fallen.

Alles gerät aus den Fugen, jeder Lebensbereich, deine Gefühle, deine Werte, dein Bild von dir selbst und über die Welt kommen kräftig ins wanken und werden ganz und gar durchgerüttelt. Bis nichts mehr am selben Platz zu sein scheint, wie zuvor.

Trauer – ein kleines Wort mit einer großen Bedeutung und unzähligen Geschichten dahinter.

3 Gedanken, die dich in deiner Trauer unterstützen

Was hilft wirklich, wenn du in Trauer bist?

Es gibt so viele Wege zurück ins Leben, wie es Menschen auf dem Planeten gibt.

Was ich dir mitgeben kann sind Impulse für deine innere Haltung und Gedanken, die dir helfen, DEINEN Weg zu finden.

Wenn jemand stirbt, den wir lieben, haben wir zwei Möglichkeiten.

  1. Wir halten an der Ungerechtigkeit fest, stellen uns immer wieder die Frage nach dem „Warum“ und führen ein verbittertes Leben ohne Freude.
  2. Wir erkennen, dass wir die Verantwortung für uns und unsere Heilung tragen sollten und entscheiden uns dafür, wieder glücklich zu sein.

Und Letzteres ist die innere Haltung, die dir den Weg zurück in dein Leben zeigt.

1. Trauer will gelebt werden

Trauer ist ein Gefühl. Es ist schmerzhaft, unangenehm und kostet viel Energie.

Grund genug für viele, diese nicht zu zulassen, zu betäuben und gut verschlossen irgendwo ganz tief unten zu parken, wo sie nicht so schnell wieder hervorkommt. Und genau das ist der größte Fehler. Denn Trauer will gelebt werden.

Die Trauer und alle anderen Gefühle, die mit ihr einhergehen, wollen Beachtung.

Hast du schonmal ein Kind erlebt, das gesehen werden und Aufmerksamkeit haben will?

Es wird lauter, penetranter und vehementer, wenn du es ignorierst. Wenn du ihm jedoch ehrliche Aufmerksamkeit schenkst und ihm gibst, was es braucht, ist es zufrieden.

Alles was du auf Dauer von dir wegschiebst, kommt irgendwann mit geballter Kraft wieder. Und am liebsten nachts um drei, wenn alles schläft.

The quickest way out is always through. Der schnellste Weg da raus, führt immer mitten durch. Bedenke, deine Trauer ist nicht dein Problem. Sie ist deine Lösung um den Tod, um deinen schmerzlichen Verlust zu verarbeiten.

Verdrängst du deine Trauer, nimmst du dir selbst den Lösungsweg.

Das Ziel ist nicht das „Nicht-mehr-Trauern“. Das Ziel ist, die Trauer anzunehmen.

Der Zustand in deiner Trauer ist nicht der Endzustand. Es ist der Weg. Es ist dein Prozess zu innerer Heilung.

Auch wenn du dich heute fragst, was ist nur aus mir geworden? Ich war doch früher ganz anders und fröhlich und bunt. Das Gefühl von Kraftlosigkeit, Selbstzweifel und Schwere wird schwinden. Das ist nicht die Endstation.

2. Vertraue Dir und Deinem Körper

Die meisten Trauernden kennen die Angst in ein tiefes Loch zu fallen und nicht rauszukommen, wenn sie die Trauer und das Weinen einmal zulassen.

Doch eins kann ich dir versichern: dein Körper weiß was er da tut. Er gibt dir diese Gefühle nicht um dich zu ärgern, er gibt sie dir um dir zu helfen. Um dir den Weg zu zeigen.

Weinen reinigt die Seele. Es macht deine Fenster wieder klar und deine Seele ist wieder bereit, die Sonnenmomente des Lebens wahrzunehmen.

Vertraue Dir und deinem Körper, du bist zu mehr imstande als du dir vorstellen kannst.

Du wirst es schaffen, vertraue Dir.

Und wenn du das Gefühl hast mit Begleitung würde es dir besser gehen, suche dir diese Begleitung. Hilfe annehmen – ja auch professionelle Hilfe – ist kein Zeichen von Schwäche und bedeutet auch nicht, dass du krank bist.

Werdende Mütter haben eine Hebamme an ihrer Seite, die ihnen zeigt, wie man mit dem Neugeborenen umgeht. Fahrlehrer zeigen ihren Schülern, wie man ein Auto sicher durch den Straßenverkehr bringt.

Und du, du bist gerade in einer Phase, die dein komplettes Sein erschüttert. Dein ganzes Leben ändert sich gerade und muss neu sortiert und neu zusammengesetzt werden. Du hast das Recht und ich behaupte sogar die Pflicht, dir Begleitung zu suchen, wenn du denkst, damit gehe es dir besser.

Sei gütig mit dir und nimm dir was du brauchst.

3. Du bist normal

Lass es mich kurz erklären. Ja ich weiß, heutzutage will kein Mensch mehr hören, dass er normal ist, weil wir sind alle Individuen, etwas besonderes und anders. Und was ist schon normal? An dieser Stelle nutze ich trotzdem das Wort „normal“.

Und meine damit vor allem „nicht krank“.

Bin ich noch normal? Das ist die Frage, die sich jeder Trauernde früher oder später stellt. Dahinter stecken Gedanken wie:

  • Ist es normal, dass es immer noch so weh tut?
  • Müsste ich nicht langsam wieder mein Leben in den Griff bekommen?
  • Keiner versteht mich, was stimmt nicht mit mir?

Halte dir nochmal das Bild vom Anfang vor Augen. Dein Universum ist erschüttert und du bist gerade dabei jedes einzelne Teil an seinen rechtmäßigen Platz zu bringen.

Das dauert, es schmerzt und ist für Außenstehende oft nicht nachvollziehbar.

Also gib dir die Zeit, den Raum und die Zuwendung, die du benötigst.

Du bist ein Mensch, du musst nicht funktionieren und vielleicht erkennst du jetzt sogar, was du in deinem neuen Leben gar nicht mehr haben möchtest und kannst es bei dieser Gelegenheit direkt aus deinem Leben entsorgen.

Was du als Angehöriger tun kannst

Du bist Angehöriger eines Trauernden? Ich weiß, wie schwer es machmal ist, die richtigen Worte zu finden. Zu wissen, was derjenige jetzt braucht.

Wir haben nie gelernt mit Trauer, geschweige denn mit Trauernden umzugehen. Also verurteile dich nicht, weil du dich unsicher fühlst und manchmal nicht weißt, was du sagen sollst. Ja, sogar mir geht es so.

Obwohl ich es selbst erlebt habe, stehe ich manchmal mit einem fetten Kloß im Hals da und habe keine Ahnung was jetzt das Richtige ist.

1. Frage nach

Das Ding ist, niemand weiß, was das Richtige ist. Auch der Trauernde selbst, weiß es oft nicht, weil er überfordert ist mit seinen Gefühlen und dem Alltag.

Das ehrliche und offene Gespräch hilft enorm weiter.

Sprich aus, dass du nicht weißt, was du tun oder sagen sollst. Mache Vorschläge und frage ganz offen, was der Trauernde jetzt im Moment braucht. Manchmal ist es Ablenkung, manchmal ein offenes Ohr.

2. Warte nicht, bis er dich um Hilfe bittet

Trauernde fühlen sich oft unerwünscht und wollen niemanden mit ihrem nie enden wollenden Thema belästigen. Willst du ihm beistehen, dann frage regelmäßig, was du tun kannst. Erwarte nicht, dass er auf dich zukommt, denn er wird sich dir nicht aufdrängen wollen und leidet daher lieber still.

3. Erwarte nichts und mache keinen Druck

Das größte Gift in der Trauer ist Druck. Der Trauerprozess stresst den Körper und der Trauernde fühlt sich ununterbrochen unter Druck gesetzt. Durch eigene Erwartungen, Ungeduld, unausgesprochene Erwartungen der Gesellschaft. Er spürt, dass er nicht mehr so funktioniert, wie zuvor und will selbst diesen Zustand voller Energie zurück gewinnen.

Druck von außen verschlimmert die Sache und raubt Kraft.

Ja, auch wenn du das Gefühl hast, er müsste mal…oder er sollte endlich mal wieder…. Glaub mir, er gibt sein Bestes. Eine liebevolle Hand und ermutigende Worte sind an dieser Stelle Gold wert.

Tod und Trauer – ein Thema, das Menschen gerne totschweigen, weil es schwierig und unangenehm ist. Doch gerade diese Menschen brauchen uns so sehr. Und es trifft nicht immer nur die Anderen.

Über die Autorin

Marina Schüßler ist Coach für Trauernde. Sie begleitet Menschen die ihren Lieblingsmenschen verloren haben auf ihrem Weg zurück ins Lebens.

2016 hat sie selbst diese Erfahrung gemacht, einen geliebten Menschen für immer gehen lassen zu müssen. In dieser Zeit entstand ihre Vision, eine Welt zu erschaffen in der Tod und Trauer kein Tabu mehr sind. Und für andere die Person zu sein, die sie sich selbst in dieser Zeit gewünscht hat – Stütze, Wegbegleiterin und Mutmacherin.

Über Tod und Trauer spricht sie außerdem in ihrem Podcast „Zurück im Leben“. Mehr findest du auch auf Instagram @marinaschuessler

Und bald unter marinaschuessler.de

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4 Kommentare

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  1. Glühwürmchen
    Glühwürmchen sagte:

    Hallo Anchu,

    dieser Artikel ist unheimlich wichtig und kommt für mich genau zur richtigen Zeit.
    Eine gute Freundin von mir musste ihr Baby tot zur Welt bringen, da das Herz von dem kleinen Wurm nicht mehr schlug. Einfach furchtbar und als Außenstehender nicht zu begreifen oder in Worte zu fassen.
    Am Wichtigsten finde ich den Tipp der Autorin,sich regelmäßig bei dem / der Trauernden zu melden. So mache ich das bei meiner Freundin auch,denn es ist auch ein Trost für die Betroffenen zu merken,dass ihre Freunde / ihr gewohntes Umfeld sie nicht vergessen haben,an sie denken und sie unterstützen wollen.
    Anfangs war ich sehr unsicher und wusste nicht,wie ich mich verhalten und was ich sagen soll,aber es geht vor allem darum, zuzuhören und immer wieder zu signalisieren,dass man für denjenigen da ist.

    Außerdem wollte ich Dir ein Kompliment für deine Artikel aussprechen! Ich bin eine stille Leserin,mag aber deinen Schreibstil / deine Tipps,die sich ja vor allem darauf beziehen,sich auf das Wesentliche im Leben zu konzentrieren,denn nur darauf kommt es an.

    Liebe Grüße, auch an die Autorin!

    Antworten
    • Anchu Kögl
      Anchu Kögl sagte:

      Hi Glühwürmchen,
      es freut mich sehr, dass du einen Artikel kommentierst, obwohl du an sich eine “stille Leserin” bist.
      Ich finde diesen Artikel von Marina auch sehr gut und wichtig. Ich habe auch vor kurzem einen Podcast mit ihr aufgenommen.
      LG

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