Was ist Liebe? Eine Antwort, die dein Leben für immer verändern wird

Wir reden viel über die Liebe.

Wir sehnen uns nach Liebe.

Wir leiden wegen der Liebe.

Doch was ist Liebe? Und was bedeutet sie?

Liebe ist wunderschön. Sie ist verbindend, inspirierend, heilend und letztendlich ist Liebe das, was uns Menschen zusammenhält. Doch müsste ich die Frage „Was ist Liebe?“ mit einem Wort beantworten, würde meine Antwort „kompliziert“ lauten.

Liebe ist kompliziert, weil wir falsche Vorstellungen davon haben, was wahre Liebe ist, was sie bedeutet und was wir von ihr erwarten können.

Wäre es mit der Liebe so einfach wie es uns kitschige Lieder, Romane und Filme weismachen wollen, dann würden nicht so verdammt viele Beziehungen den Bach runter gehen.

Nicht nur vermeintliche Traumpaare wie Brad Pitt und Angelina Jolie oder Barbie und Ken trennen sich. Das Beziehungs-Aus kann jeden treffen. Selbst Psychologen, Beziehungsexperten und Paartherapeuten – also Menschen, die sich beruflich mit dem Thema beschäftigen und sich damit auskennen – werden von Trennungen nicht verschont.

Dass so viele Beziehungen scheitern und dass die Liebe kompliziert ist, liegt an vier verzerrten Vorstellungen über die Liebe. Welche das sind, erfährst du in diesem Artikel.

Inhaltsverzeichnis:

Bist du gerade lesefaul? Hier sind die wichtigsten Punkte des Artikels als Video:

Was ist Liebe? Liebe vs. Verliebtsein

Viele Menschen verwechseln das Verliebtsein mit Liebe. Doch diese beiden Dinge haben in etwa so viel gemeinsam wie ein romantischer Liebesfilm und ein Porno.

Sicher, es gibt kaum ein schöneres Gefühl, als verliebt zu sein. Wenn wir frisch verliebt sind, sind wir in einem dauerhaften Glückszustand, sind energiegeladen und plötzlich macht alles Spaß, selbst das Anstehen vor dem nach Bier stinkenden Pfandgutautomaten im Supermarkt.

Doch das Verliebtsein und das Gefühl von Liebe unterscheiden sich deutlich voneinander.1

Die Phase des Verliebtseins dauert im Durchschnitt zwischen sechs Monaten und drei Jahren an. Zwar ist das Verliebtsein selbst kein Gefühl, doch es führt dazu, dass wir andere Gefühle stärker oder schwächer wahrnehmen.2

In der Verliebtseinsphase sind wir stark auf den Partner und die Beziehung fixiert. Wir haben das Gefühl, unseren Seelenverwandten gefunden zu haben und können partout keine Schwächen an ihm sehen. Unser Partner scheint so perfekt zu sein, dass selbst seine Fürze für uns nach Chanel Nr. 5 riechen.

Das Gefühl des Verliebtseins ist sicherlich eines der schönsten Gefühle, die es gibt. Kein Wunder, dass Menschen danach süchtig werden können.3

Das Problem

Das Problem an der Geschichte ist, dass viele Menschen diesen romantischen Ausnahmezustand mit Liebe verwechseln. Neigt sich die Verliebtseinsphase dann dem Ende, glauben sie, dass es mit der Beziehung den Bach runter geht.

„Oh nein, wenn ich meinen Partner nach einem langen Arbeitstag abends wiedersehe, habe ich gar keine Schmetterlinge mehr im Bauch. Unsere Liebe ist erloschen! Es wird Zeit, dass ich Tinder wieder installiere. Und der eine Arbeitskollege scheint auch nicht uninteressiert zu sein …“

In Wahrheit ist die Liebe nicht erloschen. Die Beziehung geht jedoch in eine neue Phase über, in der die romantische Verliebtheit dem Gefühl von wahrer Nähe und Zusammengehörigkeit weicht.

Leider verstehen viele Menschen diesen Wandel nicht und beenden ihre Beziehung, um sich den nächsten Verliebtseins-Kick zu holen. Die Junkies vom Bahnhof lassen grüßen …

Ja, verliebt zu sein ist ein schönes Gefühl und man fühlt sich während der Phase verdammt gut. Doch genauso wie das High nach ein paar Lines Koks ist auch das Verliebtseinsgefühl nicht von Dauer – auch wenn es deutlich länger anhält und um Einiges gesünder ist.

Mache dir bewusst, dass das Bild von einer lebenslangen romantischen Liebe vor allem eine Erfindung von Autoren und Filmproduzenten ist und nur selten die Realität widerspiegelt.

Wahre Liebe sieht in der Realität meistens weniger romantisch aus als es in Romanen oder Filmen dargestellt wird.

Sicherlich gibt es Paare, die auch nach Jahrzehnten noch von dem Verliebtsein oder der großen Liebe sprechen. Doch viel häufiger sprechen sie von Vertrauen, Nähe, Respekt, Verständnis oder sehen den Partner als einen guten Wegbegleiter.

Was ist Liebe? Liebe ist egoistisch!

Die romantische Vorstellung von Liebe ist, dass sie bedingungslos ist. Doch die Realität sieht anders aus, denn Liebe ist auch immer egoistisch.

Diese Aussage mag dich schockieren und ich bin mir sicher, dass mir hier einige Menschen widersprechen werden. Lass mich diesen Punkt deshalb erklären, bevor du mir den Titel des unromantischsten Menschen des Jahres verleihst.

Sicherlich müssen wir in einer Beziehung und bei der Liebe gewisse Kompromisse eingehen. Doch jeder Mensch hat bestimmte Erwartungen und Vorstellung von einer Beziehung. Und nur so lange diese erfüllt sind, lieben wir unseren Partner.

Es gibt Ausnahmen, doch generell lieben wir einen Menschen nur so lange, wie er auch unsere Erwartungen und Bedürfnisse erfüllt.

In dem Moment, in dem unser Partner zum Beispiel unser Bedürfnis nach Vertrauen, Anerkennung, Sex, Zärtlichkeit, Sicherheit oder Ähnlichem nicht mehr erfüllt, schwindet meistens auch die Liebe.

Das ist weder verwerflich noch verwunderlich, sondern schlichtweg menschlich. Liebe besteht aus Erwartungen und dem Erfüllen dieser Erwartungen.

Nehmen wir zum Beispiel an, du verliebst dich in einen Menschen, weil er dir so gut zuhört, zärtlich und respektvoll ist, du mit ihm über alles sprechen kannst, er dich zum Lachen bringt und du mit ihm den besten Sex deines Lebens hast.

Nach einigen Jahren hat sich dieser Mensch nun geändert. Während du ihm etwas Wichtiges erzählst, tippt er lieber auf seinem Smartphone rum, Zärtlichkeit und Respekt kennt er nur noch aus dem Wörterbuch, wann ihr das letzte Mal zusammen gelacht habt, hast du vergessen und beim Sex ist es schon ein Höhepunkt, wenn sich dein Partner die Socken auszieht und das Ganze länger als fünf Minuten dauert.

Bedienungslose Liebe würde nun bedeuten, dass du ihn immer noch genauso liebst wie vorher. Doch wie realistisch ist das?

Die Sache mit der bedingungslosen Liebe

Stellt man Menschen die Frage „Was ist Liebe?“ bekommt man häufig zu hören, dass wahre Liebe bedeutet, den anderen bedingungslos anzunehmen.

Ja, Liebe bedeutet, den anderen so zu akzeptieren wie er ist. Ein sehr guter Indikator für Kompatibilität ist deshalb, wie gut wir mit den Macken des anderen leben können.

Aber: Wir können den Partner meistens nur dann so annehmen wir er ist, solange er auch unsere Bedürfnisse erfüllt. In dem Moment, in dem er unsere Bedürfnisse nicht mehr erfüllt, erwarten wir, dass er sich ändert. Liebe ist also nur sehr selten Bedingungslos.

Nehmen wir zum Beispiel an, dein Partner möchte nicht mehr mit dir ins Bett gehen. Bedingungslose Liebe würde bedeuten, dass du seine Entscheidung akzeptierst und ihn immer noch genauso liebst. Doch das ist so unrealistisch wie ein Anchu Kögl als Bundeskanzler …

Das zu verstehen ist ein wichtiger Schritt zu mehr Liebe und besseren Beziehungen. Denn je mehr zwei Partner auf ihre gegenseitigen Erwartungen eingehen, desto mehr Chance hat die Liebe.

  • Wenn es deinem Partner wichtig ist, dass du einmal die Woche mit ihm zusammen joggen gehst, dann geht mit ihm joggen. Aber bitte tut es nicht im Partnerlook, das ist lächerlich.
  • Wenn es deinem Partner wichtig ist, dass er dir alles erzählen kann, dann höre deinem Partner aufmerksam und verständnisvoll zu, ohne ihn zu verurteilen. Gebe ihm das Gefühl, dass er dir alles erzählen kann und du ein Ohr für ihn hast.
  • Wenn es deinem Partner wichtig ist, dass du auf dein Äußeres achtest, dann tue es. Kauf dir neue Klamotten, gehe zum Friseur und trenne dich von deinem geliebten Bier formte diesen schönen Körper T-Shirt.

Du sollst nichts tun, was gegen deine eigenen Werte verstößt. Auch musst du dich nicht vollkommen für die Wünsche deines Partner aufopfern, schließlich besteht jede Beziehungen aus Kompromissen.

Versuche jedoch, die Erwartungen deines Partners so gut wie möglich zu erfüllen, denn dadurch nährst du auch seine Liebe für dich.

Den Ausdruck „Ich tue es dir zu liebe“ gibt es schließlich nicht umsonst.

Nein, auch wahre Liebe kann nicht alles überwinden

Der wahren Liebe wird nachgesagt, dass sie alles überwindet. Sie versetzt Berge, verändert Menschen und für sie lohnt es sich, bis zum bitteren Ende zu kämpfen.

Diese romantische Einstellung schadet der Liebe jedoch mehr, als das sie ihr hilft.

Schon als sich mein Vater und meine Mutter kennengelernt haben, war mein Vater Alkoholiker. Er war selbstständig und erfolgreich, doch jeden Abend betrank er sich. Seine Sucht beeinflusste maßgeblich die Beziehung und das Familienleben. Lange Zeit hat jedoch meine Mutter nicht aufgegeben und geglaubt, dass mein Vater für sie das Trinken aufgeben würde. Wahre Liebe überwindet schließlich alles, richtig? Pustekuchen.

Bis zu seinem Tod im Jahr 2014 hat mein Vater täglich getrunken. Er hat weder für die Liebe meiner Mutter noch für die Liebe seiner eigenen Kinder mit dem Trinken aufgehört. Nach etlichen Krisen hat ihn meine Mutter dann verlassen. In den letzten Jahren seines Lebens war mein Vater einsam, depressiv und der Alkohol hat ihn zerfressen.

Das Ergebnis: Alkohol 1 – Liebe 0.

Klar, Menschen mit einem Suchtproblem sind ein Fall für sich. Doch das ändert nichts an der Tatsache, dass sich ein Mensch erst ändert, wenn er das will – egal, wie sehr du ihn liebst.

Obwohl du es dir noch so sehr wünscht, du kannst einen anderen Menschen nicht ändern. Schreib dir das hinter die Ohren. Oder die modernere Variante: Lass es dir auf den Unterarm tätowieren.

Unerfüllte Liebe

Der Glaube, dass Liebe alles überwindet, führt auch dazu, dass Menschen jahrelang einem anderen Menschen hinterherrennen, der nicht an ihnen interessiert ist. Sie hoffen, ihn mit ihrer Liebe anzustecken und ihn letztendlich doch zu erobern.

Klappt das manchmal? Ja. Aber äußerst selten.

Fragst du diesen einen Menschen, bei dem sich das jahrelange Kämpfen gelohnt hat, wird er dir sicherlich sagen:

„Zweifel nie an der wahren Liebe! Liebe überwindet alles!“

Dabei sollten wir jedoch nicht übersehen, dass auf den einen Menschen, bei dem sich das lange Kämpfen gelohnt hat, viele enttäuschte und einsame Frauen und Männer kommen, bei denen es sich nicht gelohnt hat. Und von diesen bekomme ich täglich eine Menge verzweifelter E-Mails …

Liebe kann Vieles bewirken und lässt Menschen außergewöhnliche Dinge tun. Doch Liebe überwindet nicht alles. Zu hoffen, dass wir durch unsere Liebe einen Menschen verändern können oder jahrelang einem anderen Menschen hinterherzurennen ist so naiv wie zwei Wochen vor dem Sommerurlaub noch fünf Kilogramm abnehmen zu wollen.

Es gibt Menschen, die uns nicht gut tun, obwohl sie uns lieben. Und es gibt Menschen, die uns nicht lieben, obwohl wir sie lieben. Und deshalb müssen wir manchmal Nein zur Liebe sagen, um Ja zu uns selbst zu sagen.

Eine Beziehung braucht mehr als Liebe

Eine Beziehung braucht mehr als nur Liebe. Liebe ist die Grundlage, das Fundament, auf dem eine Beziehung steht. Doch Liebe reicht nicht aus. Zwei Partner brauchen auch ähnliche Werte und Ziele. Ansonsten wird das Zusammenleben kompliziert.

Zwei Beispiele:

  1. Nehmen wir an, dass du ein extrovertierter Mensch bist, der gerne auf Partys geht. Du genießt es, neue Menschen kennenzulernen und trinkst gerne ausgefallen Cocktails mit komplizierten Namen, die mehr Kosten als ein Gebrauchtwagen. Dein Partner hingegen ist ein introvertierter und ruhiger Mensch, der abends lieber zuhause bleibt und Brettspiele spielt oder sich die neusten Serien auf Netflix anschaut. Allein dieser eine Unterschied wird immer wieder zu Diskussionen, Differenzen und Problemen bei der Abendplanung führen und das Zusammenleben kompliziert machen.
  2. Sagen wir, dein größter Wunsch ist es, Kinder zu kriegen. Nichts wünschst du dir mehr, als mit deinem Partner eine Familie zu gründen und einen schicken „Baby an Bord“ Aufkleber an die Heckscheibe deines Autos zu kleben. Dein Partner hingegen hält rein gar nichts von Nachwuchs und das Letzte, was er will, ist Windeln zu wechseln und Kindergeburtstage zu organisieren.

Das Dilemma aus dem ersten Beispiel könntest du durch Kompromisse und Rücksichtnahme vielleicht noch lösen. Aber beim zweiten Beispiel wird es schwierig. Beide Menschen stehen vor einer sehr komplizierten Entscheidung:

Den eigenen Wunsch für die Liebe des Partners opfern oder an seinem eigenen Wunsch festhalten und den Partner verlassen?

Nehmen wir an, dass die beiden sich für die Liebe entscheiden und auf Kinder verzichten. Beide verdienen gut und da sie keine Kinder haben genießen sie das Leben in vollen Zügen. Sie reisen viel, gehen in die Oper und lernen auf schicken Jet-Set-Partys andere kinderlose Paare kennen.

Nach einigen Jahren wird der Mensch, der auf seinen Kinderwunsch verzichtet hat, jedoch immer unzufriedener. All die Reisen und all die schicken Jet-Set-Veranstaltungen reizen ihn nicht mehr. Er spürt seinen Wunsch nach einer Familie immer stärker.

Liebe ist die Grundlage einer Beziehung. Doch damit eine Beziehung funktioniert, braucht es mehr als nur Liebe.

Fünf Dinge, die du für die Liebe tun kannst

Bis jetzt haben wir in diesem Artikel vier wichtige Punkte betrachtet:

  • Liebe und Verliebtsein sind zwei unterschiedliche Dinge.
  • Liebe hat auch immer mit Erwartungen zu tun.
  • Auch wahre Liebe kann nicht alles überwinden.
  • Wir verwechseln Drama und emotionales Auf und Ab oftmals mit Liebe.

Die Fragen „Was ist Liebe?“ und „Was bedeutet Liebe?“ habe ich nicht eindeutig beantwortet.

Warum?

Weil sie letztendlich jeder für sich selbst beantworten muss. Jeder Mensch empfindet Liebe anders und legt auf andere Dinge Wert.

Ich reise zum Beispiel seit mehrere Jahren um die Welt und habe keine festen Wohnsitz. Auch in meiner Kindheit bin ich mehrmals umgezogen. Aus diesem Grund gibt es keinen Ort auf dieser Welt, an dem ich mich wirklich Zuhause fühle. Für mich bedeutet Liebe deshalb auch, dass ich mich bei einer Frau Zuhause und geborgen fühle. Bei dir ist das vielleicht völlig anders.

Doch egal, was Liebe für dich bedeutet, die vier Punkte aus diesem Artikel zu verstehen ist ein wichtiger Schritt in Richtung bessere Beziehungen und mehr Liebe.

Abgesehen davon gibt es fünf konkrete Dinge, die du für die Liebe tun kannst.

1. Pflege die Beziehung zu dir selbst

Häufig hört man, dass man nur geliebt werden kann, wenn man sich selbst liebt. Ich kann dem nicht ganz zustimmen.

Zum einen ist das eine allzu große Vereinfachung und Verallgemeinerung. Zum anderen ist es häufig die Liebe anderer Menschen, die uns dabei hilft, alte Wunden zu verarbeiten und uns selbst mehr zu lieben. Nähe, Geborgenheit, Sex und Liebe können heilend sein.

Dennoch gilt: Je besser du deine eigenen Gefühle und emotionalen Bedürfnisse wahrnimmst und ausdrückst, desto bessere Beziehungen wirst du führen. Oder anders ausgedrückt: Je besser die Beziehung zu dir selbst ist, desto besser ist deine Beziehung zu anderen Menschen.

Wenn du mit dir selbst im Reinen bist, kannst du auch deinem Partner mehr Liebe geben und besser auf seine Bedürfnisse eingehen.

Hier zwei Artikel, die dir dabei helfen können:

Wie werde ich glücklich? (von mir)

Wie man sich selbst akzeptieren kann  (von Tim von mymonk.de)

2. Weniger Erwartungen an die Liebe

Wir haben gesehen, dass unsere Liebe auch davon abhängt, wie gut unsere Erwartungen erfüllt werden. Das Problem: Häufig haben wir zu viele und zu hohe Erwartungen an die Liebe, an die Beziehung und an den Partner.

Eine Beziehung soll Stabilität und Sicherheit bieten, gleichzeitig aber auch aufregend und prickelnd sein. Der Partner ist im Idealfall bester Freund, feuriger Liebhaber und verlässliches Elternteil. Doch all das passt kaum unter einen Hut.

Um es in den Worten des deutschen Philosophen Richard David Precht auszudrücken:

„Ausgerechnet die Liebe, das instabilste System, soll am meisten Halt geben. Was wir von der Liebe wollen und was wir in der Liebe wollen, passt kaum noch zusammen. Von der Liebe wollen wir Halt und Bindung, in der Liebe Freiheit und Aufregung.“

Wie erfüllend deine Beziehung ist und wie stark du deinen Partner liebst, hängt stark von deinen Erwartungen ab. Je höher deine Erwartungen an die Beziehung, die Liebe und an deinem Partner sind, desto eher wirst du enttäuscht werden. Je weniger Erwartungen du hingegen hast, desto mehr Spielraum hat die Liebe.

Hier findest du zu dem Thema einen interessanten Artikel aus der Welt.

3. Konzentriere dich auf das Positive am Anderen

Keiner ist perfekt. Und das wird uns vor allem bei unserem Partner bewusst. Kaum einen Menschen lernen wir intimer und näher kennen als unseren Partner. Klar, dass es eine Menge Dinge an ihm gibt, die uns stören.

Wenn wir uns jedoch immer nur auf die Macken und die negativen Seiten unseres Partners versteifen, wird unsere Anziehung für ihn immer geringer werden.

Nein, du musst nicht alle negativen Seiten des anderen völlig ausblenden und die Klappe halten, falls dich etwas am Verhalten deines Partners stört. Doch versuche, dich mehr auf die positiven Seiten als auf die negativen zu fokussieren.

Statt dich den ganzen Tag darüber zu ärgern, dass dein Partner heute morgen schon wieder vergessen hat, den Müll rauszubringen, erinnere dich daran, wie schön und liebevoll er dich heute morgen nach dem Aufwachen angeschaut hat. Oder wie verständnisvoll er ist, wenn du ihm von deinen Problemen auf der Arbeit erzählst. Oder dass seine Fürze zwar nicht nach Chanel Nr. 5 riechen, aber zumindest erträglich sind.

4. Investiere in die Beziehung

Wusstest du, dass wir einen gewissen Einfluss darauf haben, was wir für einen Menschen empfinden? Nein, du kannst die Liebe nicht steuern oder erzwingen – und das ist gut so. Doch es gibt ein paar konkrete Dinge, die du für die Anziehung zu deinem Partner tun kannst.

Dein romantisches und sexuelles Verlangen für einen Menschen steigt zum Beispiel,

  • wenn du deinem Partner lange in die Augen schaust,
  • ihr euch sanft berührt,
  • ihr gemeinsam lacht,
  • ihr synchron atmet,
  • ihr spannende und neuartige Aktivitäten zusammen erlebt und
  • gemeinsam in die Beziehung investiert.4

Bei mir hat auch tantrischer und gefühlvoller Sex dazu geführt, dass meine Gefühle, meine Anziehung und meine Liebe für meine Partnerin gewachsen sind.

Nimm dir für deinen Partner Zeit, sei zärtlich, erlebe mit ihm neue Aktivitäten und lache viel mit ihm. Das sind simple Dinge, die der Liebe immens gut tun.

5. Liebe bedeutet loslassen

Am Anfang dieses Artikels habe ich geschrieben, dass wenn ich die Frage „Was ist Liebe?“ mit einem Wort beantworten müsste, es das Wort „kompliziert“ wäre. Meine zweite Wahl wäre „Loslassen“.

Es gibt Liebe, die hält für immer. Es gibt Liebe, die schwindet. Es gibt Liebe, die wird nicht erwidert. Und es gibt Liebe, die uns nicht gut tut. Egal wie sehr wir uns darum bemühen, wir können die Liebe nicht erzwingen und nicht kontrollieren. Wir können sie nur loslassen.

Und je mehr wir unsere Erwartungen an die Liebe loslassen, je mehr Freiraum wir der Liebe bieten und je weniger die Liebe sein muss und stattdessen sein kann, desto mehr Liebe werden wir geben können und desto mehr Liebe werden wir empfangen.

Es lebe die Liebe!

P.S. Was hältst du von den Thema Liebe? Siehst du das Ganze ähnlich? Was ist für dich Liebe? Hinterlasse ein Kommentar und lass es mich wissen!

P.P.S. Dir hat der Artikel gefallen? Dann würde ich mich riesig freuen, wenn du ihn auf Facebook teilst. Die Welt braucht mehr Liebe und weniger Bullshit.

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  1. Wulf, C. & Mees, U. (2009). Liebe und Verliebtsein. In V. Brandstätter & J. H. Otto (Hrsg.), Handbuch der Allgemeinen Psychologie – Motivation und Emotion (S. 596-604)/note] So schön das Verliebtsein auch sein mag, es handelt sich hierbei um einen Ausnahmezustand unseres Gehirns.
  2. Aron, A.; Fisher, H.; Mashek, D.J.; Strong, G.; Li, H. & Brown, L. L. (2005). Reward, motivation, and emotion systems associated with early-stage intense romantic love. J Neurophysiol. 2005 Jul;94(1):327-37. Epub 2005 May 31
  3. Brizendine, L. (2008). Das weibliche Gehirn: Warum Frauen anders sind als Männer.
  4. Epstein, R. (2010). How Science Can Help You Fall in Love Scientific American Mind 20, 26 – 33 (2010) doi:10.1038/scientificamericanmind0110-26
48 Kommentare
  1. Armin
    Armin says:

    WOW!
    Anchu, ich habe jeden Artikel von dir gelesen und der hier ist mit Abstand der Beste…
    Du überrascht mich mit deinem Wissen und deinen Einsichten immer wieder aufs Neue. Und dann verpackst du noch alles mit diesem direktem und humorvollen Schreibstill. Ich bin begeistert…
    Mach weiter so!
    Dein großer Fan,
    Armin

    Antworten
  2. Lisa
    Lisa says:

    Hallo Anchu,
    auch von mir erst mal dickes Lob für den Artikel. Er ist sehr lang, aber die Lektüre absolut lohnenswert.
    Du fragst am Ende den Leser, was für ihn Liebe ist.
    Ähnlich wie für dich, bedeutet Liebe für mich auch, dass ich mich bei jemanden geborgen fühle. Abgesehen davon, spielt für mich auch die sexuelle Anziehung eine wichtige Rolle.
    Du hast kurz erwähnt, dass dir Tantra dazu geholfen hat, mehr zu lieben. Das fand ich interessant. Vielleicht probiere ich das in Zukunft auch mal aus …
    Viele Grüße

    Antworten
  3. Markus
    Markus says:

    Großes Kompliment lieber Anchu für diesen Artikel!
    „(…) je weniger die Liebe sein muss und stattdessen sein kann, (…)“, ist für mich im Kern der Türöffner hin zu außergewöhnlichen zwischenmenschlichen Beziehungen, egal in welcher Form. Danke dafür!
    Bis die Tage zurück in DE,
    Markus

    Antworten
  4. Alexandra
    Alexandra says:

    Lieber Anchu,
    danke für diesen umfassenden und vielseitigen Artikel! Er passt hervorragend zu meiner persönlichen Überzeugung und auch zu meiner Arbeit. Werde ihn deshalb sehr gerne weiter empfehlen!

    Antworten
  5. Aurel
    Aurel says:

    Hallo Anchu,
    danke für den schönen Artikel. Ich würde dir in den meisten Punkten zustimmen, außer an der Stelle wo du schreibst, dass es nicht nötig ist sich selbst zu lieben, um geliebt zu werden.
    Im Prinzip spielt es für mein Gegenüber keine Rolle, ob ich mich selber liebe, aber für mich selber. Wenn ich mich nicht selber liebe, und mich nicht für liebenswert halte, kann ich die Liebe eines anderen Menschen nicht wahrnehmen. Ich fühle mich nicht geliebt, egal wie sehr mich der andere liebt.
    Erst wenn ich mich selber akzeptiere und liebe so wie ich bin, kann ich die Liebe eines anderen Menschen wahrnehmen. Ansonsten ist immer das Misstrauen im Weg, nach dem Motto: „So wie ich bin, kann der andere mich gar nicht lieben. Ich liebe mich ja nicht einmal selber“
    Die Betrachtungsweisen der Liebe, insbesondere der nicht wirklichen Bedingungslosigkeit, finde ich sehr aufschlussreich.
    Einen lieben Gruß

    Aurel

    Antworten
    • Anchu Kögl
      Anchu Kögl says:

      Hi Aurel,
      ich habe auch lange über den Punkt nachgedacht. Ich bin letztendlich zu dem Schluss gekommen, dass es oftmals die Liebe anderer ist, die uns dabei hilft, uns mehr selbst zu lieben. Natürlich hat das ganze Grenzen. Wenn ich mich partout nicht selbst lieben kann, werde ich die Liebe anderer nicht annehmen können. Muss man sich nun erst selbst lieben oder kann einem die Liebe anderer helfen, sich mehr selbst zu lieben? Die „Wahrheit“ liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte.
      LG

      Antworten
  6. Lorenz
    Lorenz says:

    Hi Anchu,
    super an deiner Schreibe finde ich, dass du alles so lebensnah ausführst, dass man sich sofort in den Beispielen wiederfindet. Trotzdem scheint durch, dass du dich sehr fundiert und differenziert mit der Materie auseinandergesetzt hast aber das trägst du nicht vor dir her. Kompliment dafür.

    Antworten
  7. Ralf
    Ralf says:

    Respekt und Danke für den tollen Artikel.
    Das erste was ich mir auf die Frage „Was ist Liebe?“ zurechtgelegt habe war „kompliziert“, und nach gefühlten 13 weiteren Sekunden lesen konnte ich das erste mal schmunzeln als du selbiges geschrieben hast.
    Ich denke vorallem auch, dass man sich seiner Erwartungen bewusst werden sollte, und das immer auch sehr mit Selbstfindung / Selbstwert… verbunden ist, egal ob es um Liebe oder Berufsfindung oder oder geht, und dass man für dieses Bewusstwerden gar nicht genug investieren kann. Diese Reise geht meiner Meinung nach unser ganzes Leben, und unsere Erlebnisse und Erkenntnisse daraus machen uns ja auch interessant für andere, ob freundschaftlich oder beziehungstechnisch mit einem Partner/in.
    Liebe für mich ist sehr schön, sie bedarf gemeinsamer Kommunikation und Wachstum, so wie jeder Partner für sich auch, und sie beinhaltet Gefühle und Eigenschaften, die man mit dem Verstand nicht erklären kann, das ich auch gut so finde.
    Viele Grüße
    Ralf

    Antworten
    • Anchu Kögl
      Anchu Kögl says:

      Hi Ralf,
      lustig, dass du auch an „kompliziert“ gedacht hast.
      Ja, die eigene Selbstfindung, Bewusstsein für die eigene Person, ist sicherlich ein sehr großer Punkt bei der Liebe wie auch bei Beziehungen.
      Und wahrscheinlich hast du recht: Der Verstand und die Logik wird die Liebe niemals ganz erfassen können. Und irgendwie finde ich das auch verdammt gut.
      LG

      Antworten
      • Ralf
        Ralf says:

        Hey Anchu,
        Schade, dass du keine Frau bist, das hätte lustig werden können. 😉

        Finde es übrigens sehr geil, dass du auf alle Kommentare antwortest, und generell großes Lob für deine Arbeit, mach bitte weiter so! Intime, persönliche und „ernste“ Themen so mit Humor zu verbinden ist grandios, und immer wenn deine Leser dabei lächeln, ob über deinen Schreibstil oder seine/ihre eigene (teilweise „dämliche“) Ernsthaftigkeit/Einstellung zu dem Thema, hast du bereits einen großen Beitrag für die Menschheit geleistet!
        Beste Grüße

        Antworten
  8. T.
    T. says:

    Hallo Anchu,

    was ist Liebe? Es ist kaum beschreibbar, aber ein Anhaltspunkt kann sein:
    Liebe ist, wenn man einander nicht braucht, sondern will.

    Wie findest Du das?

    BG
    T.

    Antworten
  9. Sebastian
    Sebastian says:

    Sehr schöner Artikel, Anchu, danke. Zum Thema „Drama“: ein klein wenig machen Dramen aber auch unsere Beziehungen spannend. Genauso wie ein 0815-Hollywoodfilm langweilig ist, ist es auch eine 0815-Beziehung. Ich denke ein gesundes Mittelmaß ist wichtig. Und was wäre eine Frau schon, wenn sich nicht hin und wieder „weibliche Durchdreher“ hätte.
    Zum Thema „Liebe erstmal dich selbst“: Ja, das wird oft überbewertet, genauso sehe ich es auch. Wenn ich niemanden habe, ist es sehr schwer, mich selbst wirklich zu lieben, weil Beziehungen so grundlegend für ein gesundes Leben sind. Eine (negative) Spirale.
    Das „Arbeiten an einer Beziehung“ sehe ich kritisch: ich finde, es „muss einfach passen“. Oft gehen wir ein paar Jahre den Weg mit jemandem, aber dann stellt sich raus, dass sich jeder in eine andere Richtung entwickelt hat. Dann weiterhin zusammenzuhalten, was vielleicht gar nicht mehr zusammen gehört, ist nicht immer klug. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt.
    Buchtipp zum Thema: „Facing Love Addiction“ von Pia Mellody
    LG
    Sebastian

    Antworten
    • Anchu Kögl
      Anchu Kögl says:

      Hi Sebastian,
      ich weiß, was du mit Drama meinst, aber ich halte Drama für das falsche Wort. Ich würde es eher Spannung nennen. Eine Beziehung, die immer nur harmonisch ist, ist langweilig. Doch ich denke, wir sprechen hier von der gleichen Sachen und benutzen nur unterschiedliche Worte.
      Danke für den Buchtipp, das schaue ich mir mal genauer an.
      LG

      Antworten
  10. Eva
    Eva says:

    Hi Anchu,
    Endlich endlich mal klare Worte zum Thema Selbstliebe und Liebe. Ich sehe durch eigene Erfahrungen nämlich Folgendes: Es geht definitiv besser mit der Liebe, wenn dir irgendwann mal jemand begegnet, der sich selbst liebt und in dir sieht was du selbst nicht sehen kannst. Der aufzeigt, dass du liebenswert bist. Dir Wertschätzung entgegenbringt. Denn wenn du das nie gelernt bzw beigebracht bekommen hast – woher nehmen? Sowas ist Übungssache. Und geht viel einfacher zu zweit. Oftmals isr es auch anerzogene falsche Bescheidenheit, welche die Selbstliebe unterdrückt.
    Oder aber die Selbstliebe wurde durch schlimme Beziehungserfahrungen Schritt für Schritt zunichte gemacht. Dann hilft dir eine neue Liebe wieder zurück zu finden zu dir.
    Ich habe mal den Satz gelesen „Wer in Beziehung krank wurde, heilt auch wieder in Beziehung “ oder so ähnlich.

    Übrigens finde ich, dass die Liebe sich völlig verändert, je älter ich werde. Je älter ich werde, desto klarer und eindeutiger werde ich. Ich brauche keinen Mann, um happy zu sein. Aber ich liebe es zu lieben. Und zu geben. Liebe hat auch etwas mit „ich liebe es zu geben und jemanden glücklich zu sehen“ und dann gleichzeitig zu empfangen. Sich hinzugeben. Das kann man natürlich am besten, wenn man sich selbst mag. Und sich zeigen kann. Das wiederum geht einfacher, wenn dein Gegenüber dir spiegelt, wie wunderbar du bist.

    Es ist wie mit Apfelkuchen. Der ist immer herrlich, aber mit Sahne göttlich!

    Und danke für die klare Stellungnahme zum Thema Drama. Ja, es gibt einfach zuviel Drama. Vieles wird völlig überbewertet – wie z.B. dass wir auch manchmal einfach nur Bock aufeinander haben. Dass wir uns treffen, um uns einfach nur gegenseitig zu befriedigen. Es ist wie mit Essen und Trinken. Gerade Frauen verfallen immer in diesen „ich brauch aber die Rosenblätter“ Status. Warum? Weil sie nie zu ihrer eigenen Triebhaftigkeit stehen dürfen! Das wird einem ab- erzogen als Frau. Darin sehe ich z.B.bei uns Frauen auch einen klassischen Selbstliebe -Räuber. Warum dauert es oft so lange, bis Frauen sich oft erst mit über 40 trauen, im Bett es so zu machen, wie sie es wollen und brauchen. Gottseidank hat meine Mutter mir das anders beigebracht, ich habe das schon immer anders gelebt. Und was begegnet mir im Bett ? Fassungslose Männer, die sich erstaunt fragen, was sie vorher mit Frauen erlebt haben. Und dann bin ich wiederum fassungslos. Was ist da los?
    Das kann doch nicht sein?
    Viele spulen auch ein Programm ab, und denken, so muss die Liebe sein. Bleiben so an der Oberfläche. Und auch dann…begegnen wir mal einem anders gepoltem Menschen und lassen uns drauf ein, haben wir plötzlich eine neue Möglichkeit, die Liebe zu betrachten.
    Es gibt nix Vielfältigeres als die Liebe. Die ist jedesmal anders, immer so wie der Mensch ist, mit dem wir lieben.
    Die reinste Liebe ist übrigens die zu meinen Kindern. Einzigartig.
    Danke für den Artikel!
    Liebe Grüße, Eva

    Antworten
    • Anchu Kögl
      Anchu Kögl says:

      Hi Eva,
      danke für dieses Wahnsinns Kommentar. In deinen Zeilen liegt so viel Wahrheit, Klarheit und Erfahrung – ich bin begeistert. Vor allem den Punkt mit dem Sex finde ich interessant. Ja, viele Frauen müssen leider erst lernen, dass Sex und Liebe zwei verschiedene Dinge sind. Zwar ist Sex mit Liebe am schönsten, aber auch ohne kann er sehr toll und erfüllend sein.
      Das die größte Liebe die zu den Kindern ist, glaube ich dir sofort. Ich freue mich auf den Moment, in dem ich mein erstes Kind im Arm halten kann.
      LG

      Antworten
  11. Michaela
    Michaela says:

    Hi Anchu,
    ich finde es super, dass es endlich jemanden gibt, der die Dinge so klar stellt, wie sie sind. Wie oft treffe ich Menschen, die in einer Illusion leben, evt. wissen, dass sie zu hohe Erwartungen haben, dann aber trotzdem unglücklich sind, weil sie trotzdem allein sind und in ihren Träumen leben. Und ich weiß nicht, wie ich ihnen helfen kann, weil sie sich oft nicht helfen lassen wollen. Auch unter Freunden gibt es oft zu hohe Erwartungen und ich finde es schön, dass du das Thema Erwartungen auf beiden Seiten relativierst: wenn man jemanden lieb hat, seinen Erwartungen nachzukommen und sich aber gleichzeitig nicht vollständig aufzuopfern. An der Stelle fällt mir eines auf, seit einigen Jahren spüre ich hinter so gut wie jeder Erwartung eine Aufforderung. Allein schon die Art wie sie geäußert wird, treibt mich zum Rückzug, auch wenn es etwas ist, was ich eigentlich gerne tue. Möglicherweise liegt das Problem auch bei mir, doch wenn ich mich aufgeopfert fühle, sage ich ganz klar Nein. Ich finde, dass Erwartung demnach zweischneidig ist, es kann wie eine Aufforderung klingen, oder wie ein Wunsch, der viel bescheidener rüber kommen kann und auch das OK im Raum steht, wenn man es nicht bekommt (die Art wie meine Eltern mich immer dazu bekommen, aus freien Stücken irgendwo zu erscheinen :-D). Ist vielleicht auch wortklauberei, aber wie sagt man doch so schön: „Die Musik macht den Ton!“ oder war es andersrum? 😉
    Alles Gute, Michaela

    Antworten
    • Anchu Kögl
      Anchu Kögl says:

      Hi Michaela,
      danke für dein Lob. Es freut mich zu hören, dass dir der Artikel gefällt.
      Ich finde es interessant, dass du Erwartungen als Aufforderung siehst, selbst wenn du ihnen eigentlich gerne nachgehst.
      Das habe ich so noch nicht erlebt. Ich denke, du solltest da mal genauer hinschauen. Warum fühlen sich den Erwartungen von anderen wie Aufforderungen an? Du könntest auch versuchen, Erwartungen wie ein Angebot wahrzunehmen. Und wenn du auf das Angebot Lust hast, sagst du Ja, und wenn nicht, lehnst du freundlich ab.
      LG

      Antworten
  12. Wendelin
    Wendelin says:

    Nabend Anchu,
    ich möchte dir hier unter deinem Artikel mein Kompliment aussprechen, man merkt sofort, dass du dich mit dem Thema ausführlich befasst hast. Es war sehr amüsant, und informativ für mich, an manchen Stellen musste ich schmunzeln an anderen wiederum Halt machen um darüber nachzudenken.
    Dafür danke ich dir.
    Was mir etwas gefehlt hat, Liebe zur Natur, zur Schöpfung, Tiere und Pflanzen, Kunst, Musik etc. Vielleicht habe ich das falsch aufgefasst und es ging hier ausschließlich um die zwischenmenschliche Liebe, jedoch möchte ich dich dennoch fragen, ob hierüber ein Artikel erscheint bzw. du noch Anregungen bräuchtest 🙂 ?

    Antworten
  13. Jonny
    Jonny says:

    Liebe ist für mich zunächst nur ein Wort. Ich kann es nun mit Bedeutungen füllen, oder auch nicht. Meistens sind es irgendwelche Werte, die mit meinen Erfahrungen zusammenhängen. Aber Liebe aus persönlichen Erfahrungen zu definieren, scheint mir viel zu kleinlich für die „wahre“ Liebe. Auf persönlicher, zwischenmenschlicher Ebene kann man durchaus Definitionen, Ansichten und Meinungen aufstellen. Vermutlich gibt es davon so viele, wie es Menschen gibt… Um aber auf den Punkt zu kommen: Liebe ist für mich etwas unpersönliches, oder besser: überpersönliches. Sie geht über subjektive Anziehung und Abneigung hinaus. Ich glaube das ist es, was mich an diesem Artikel etwas stört: er bezieht sich auf die „romantische“, partnerschaftliche „Liebe“. Das scheint mir zu einschränkend, eben bedingt. Sogesehen klingt bedingunslose Liebe wie ein unerreichbares Ideal. Das ist es aber nicht mehr, wenn Liebe allumfassender erlebt wird: Partnerschaftliche Liebe , Liebe zur Familie, Liebe zu Freunden (und Feinden ;-), Liebe zu Menschen, Liebe zu Tieren, Liebe zur Natur, Liebe zu Gott, Liebe zu mir… und letzlich: Liebe zum SEIN, zur nackten Existenz. Letztere schließt alle vorgenannten mit ein, weil sie in der Tat bedingunslos ist…

    Danke Anchu, dass du hier einen offenen Raum lässt für Definitionen der Liebe (auch wenn sie nicht wirklich definierbar ist, weil sie in keine Schublade passt).

    Zum Schluss noch ein schlauer Spruch:
    Liebe definiert nicht, Liebe schweigt und genießt 😉

    Antworten
    • Anchu Kögl
      Anchu Kögl says:

      Hi Jonny,
      danke für deine Erläuterungen. Ich verstehe deinen Punkt, aber ich bin absichtlich nur auf die romantische Liebe eingegangen – denn das ist es, was die meisten meiner Blogleser interessiert. Abgesehen davon, würde aus dem Artikel ein ganzes Buch werden, wenn ich über alle Formen der Liebe sprechen…
      LG

      Antworten
      • Jonny
        Jonny says:

        Na ja, wenn sog. romantische Liebe eigentlich egoistisch ist, dann kommt es mir vor wie ein Tauschhandel mit Bedürfnissen. Nix gegen Geben und Nehmen, nur wundert es mich, was daran noch „romantisch“ sein soll…

        Antworten
          • Jonny
            Jonny says:

            Ja, warum nicht. Bei einem guten, ausgleichenden (Aus-) Tausch sind beide Seiten zufrieden, weil Bedürfnisse erfüllt…
            Hälst du Freundschaften für weniger „egoistisch“ als Liebesbeziehungen?

  14. Andrea
    Andrea says:

    Hallo Anchu!

    Mir gefällt dein Artikel auch sehr gut und ich musste ein paar Mal echt schmunzeln! Danke dafür!
    Was ist Liebe? Eine sehr gute Frage, für mich funktioniert eine Liebe bzw. eine lange Beziehung nur, in dem man sich respektiert, sich manche Freiheiten lässt, gemeinsam lacht, den anderen so sein lässt wie er ist und natürlich auch im Großen und Ganzen ähnliche Lebensziele hat! Für mich zählen auch langjährige Freunde dazu, ich finde, jeder Partner sollte seine Freundschaften pflegen, die er auch vorher schon hatte, es muss nicht überall der Partner dabei sein! Du hast das sehr gut beschrieben mit Verliebtsein und Liebe, das sind auch für mich total unterschiedliche Dinge, Verliebtsein ist wie ein Rausch, wunderschön, aber hält nicht ewig! Meine persönliche Erfahrung ist, dass aus ganz starker Verliebtheit keine gute Beziehung wurde, weil ich in dieser Verliebtheit viel nicht gesehen habe, dass aber nachher nicht zu meinem Leben gepasst hat! Ich bin nun 20 Jahre in einer Beziehung, die eigentlich nicht so spektakulär mit „Feuer und Flammen“ begonnen hat, aber die Liebe ist dann gewachsen und total tief geworden! Das ist jetzt meine persönliche „Geschichte“, es gibt sicher auch Paare, die total verliebt waren und auch gut zusammen passen! Ich glaube auch, man muss Phasen der Beziehung annehmen, im Laufe der Jahre gibt es immer Up + Downs, wenn aber viel in der Beziehung passt, lohnt es sich, diese zu meistern! Wenn es in einer langen Beziehung auch Phasen gibt, wo es mal langweiliger ist und man sich vielleicht auch mal nach „Schmetterlingen im Bauch“ sehnt, was ja sehr gefährlich ist, dass dann ein Seitensprung dazwischenkommt ;), kann man aber auch an sich selbst arbeiten, denn wie heißt es so schön: Wie man in den Wald hineinruft, kommt es zurück und oft sind es nur Kleinigkeiten, die der Beziehung wieder Schwung bringen!
    Wobei ich aber der Meinung bin, wenn vieles nicht mehr passt, man sich in andere Richtungen entwickelt hat, dann sollte man sich lieber trennen, also einen ewigen Kampf zu haben!
    Was auch ganz wichtig ist, den selben Humor zu haben, wenn man gut zusammen lachen kann, nimmt man auch nicht alles so ernst! 😉
    Und ich kann Eva nur zustimmen, die reinste Form der Liebe ist die zu den Kindern, das kann ich nur bestätigen, das ist meiner Meinung nach die einzige bedingungslose Liebe, die es gibt! Sein Kind liebt man im Normalfall immer, egal, was passiert! Ich freue mich auf weitere Artikel! 🙂

    Antworten
    • Anchu Kögl
      Anchu Kögl says:

      Hi Andrea,
      danke für dein Kommentar. Ich finde deine Geschichte interessant. In meinem Buch „Die Kunst des ehrlichen Datings“ beschreibe ich genau das, was auch dir passiert ist. Ich erkläre, dass eine gesunde Form von Anziehung und Liebe meistens langsamer anfängt und sich dann steigert. Oftmals ist eine sehr starke Anziehung am Anfang des Kennenlernens ein Zeichen für eine ungesunde Anziehung oder zumindest einer gewissen Inkompatibilität…
      Das mit den Kindern habe ich schon oft gehört. Ich denke, dass kann nur vollkommen verstehen, wenn man selbst Kinder hat.
      LG

      Antworten
      • Andrea
        Andrea says:

        Hi Anchu! Dann muss ich dein Buch unbedingt lesen, habe ich noch nicht gemacht! 🙂 Ich glaube, diese extreme, anfängliche Anziehung raubt einem den Verstand, im wahrsten Sinne des Wortes und man sieht den anderen Menschen mit einer riesigen rosa Brille, nur irgendwann ist die Brille weg und was dann bleibt, ist der Mensch, der wirklich dahinter steht! Und der kann ohne rosa Brille manchmal nicht mehr so toll sein, im guten Falle passt es ja! Wenn man aber den Menschen gut kennenlernt, seine Eigenschaften, seine Art, Dinge zu machen usw. und ihn dann immer lieber mag, dann sind die Chancen groß, dass es eine tiefe Liebe wird! 🙂 Wobei natürlich die sexuelle Anziehung auch passen muss, aber das ist sowieso auch eine Voraussetzung für eine Beziehung! Schönen Abend!

        Antworten
  15. Miriam
    Miriam says:

    Hallo anchu.
    1.Vielen Dank für deinen Artikel..Ich bin begeistert.
    Mir wurde gerade jetzt bewusst dass meine früheren Beziehungen aus lauter Dramen bestanden haben.
    Als ich nämlich mein Ex kennengelernt habe war er auf der flucht von seiner Ex die ihm ständig hinterherrannte.
    Dann wurde ich krank und das Drama begann von vorne..
    Vorher hatte ich weitere solche Dramas mit meinen Beziehungen.Auch meine Eltern haben in ihrer Liebe ständige Dramen.Denn ja schlussentlich bin ich ein Kukukskind..
    Was bedeutet ich habe die Liebe nie anders gekannt als kaotisch.
    Deshalb stimme ich dir voll und ganz zu dass wir dies von unseren Eltern mitbekommen. Was jedoch nicht bedeutet das wir das unseren Kindern auch so weitergeben. Denn ich glaube daran das wir dies bewusst ändern können.
    Nun lebe ich eine Beziehung die total unkaotisch anfing.Nun beginne ich zu lernen das Liebe auch ruhig, sanft und zuverlässig sein kann.
    Doch jetzt wurde mir bewusst das ich jederzeit auf der hut bin wann wohl das Drama beginnt. ( etwa so entspannt wie in einem Horrorfilm wenn man auf den Killer wartet).
    Was total blöd und überflüssig ist. Danke hast du mir dies gerade mit viel Humor vor die Augen geführt. Lg

    Antworten
    • Anchu Kögl
      Anchu Kögl says:

      Hi Miriam,
      wir können uns ganz sicher ändern! Manchmal ist es nicht einfach, doch es ist möglich. Es freut mich auf jeden Fall, dass du dem Drama in deiner Beziehung auf die Schliche gekommen bist und es jetzt anders aussieht. Wie in dem Artikel erklärt: Oftmals müssen wir erst auf den Geschmack von einer ruhigeren und harmonischeren Liebe kommen.
      LG

      Antworten
  16. Tete
    Tete says:

    Ciao Anchu, dieser Artikel hat mir auch sehr gut gefallen; anhand deiner Erkenntnisse erkennt der Leser/die Leserin wieviel ehrliche Erfahrungen, du schon in puncto Liebe gemacht hast. Was bin ich bereit zu geben!?? ist für mich die Kernaussage deines Beitrages. Wie gut kenne ich meine Gefühle und Bedürfnisse!? Und wie gehe ich in meiner Beziehung mit Enttäuschung um (wird uns wohl oder übel nicht erspart bleiben)!? Für mich stellt eine Beziehung sehr viele Fragen; nicht an meinen Partner – sondern an meine Person. Wenn ich mich durch meinen Partner besser erkennen kann, erfüllt er das Wesentliche für mich.
    A presto Tete

    Antworten
    • Anchu Kögl
      Anchu Kögl says:

      Hi Tete,
      ja, ich denke Liebe hat viel damit zu tun, wie gut wir uns selbst kennen. Wie du schreibst: wie gut erkenne ich meine eigenen Gefühle und Bedürfnisse? Der nächste Punkt wäre dann zu schauen, wie gut ich diese ausdrücken kann.
      Ich bin der Meinung, dass uns nichts so sehr wachsen lässt, wie eine Beziehung. Ein Partner hält uns letztendlich immer einen Spiegel vor: für das Gute wie für das weniger Gute.
      LG

      Antworten

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