5 Dinge, die dir am Arsch vorbeigehen sollten

Oft sind wir unzufrieden, weil wir unwichtigen Dingen zu viel Wert beimessen. Der Meinung anderer. Geld. Dem Aussehen unseres Partners. Der Anzahl unserer Facebook-Freunde.

Es gibt jedoch auch weniger offensichtliche Dinge im Leben, denen wir zu viel Wert einräumen. Und das führt dazu, dass wir uns so beschissen fühlen wie ein Teenager, der gerade einen Korb von seiner großen Flamme bekommen hat.

In diesem Artikel erfährst du 5 Dinge, denen du wahrscheinlich viel zu viel Wert beimisst.

Je mehr dir diese Dinge ab jetzt am Arsch vorbeigehen, desto besser.

1. Der richtige Moment

Scheiß egal, was deine Pläne sind – fange jetzt damit an. Es gibt keinen richtigen Moment. Und du wirst auch nie bereit sein.

Ich habe mich nie bereit gefühlt, ein Buch zu schreiben.

Ich habe mich nie bereit gefühlt, auf einer Konferenz zu sprechen.

Ich habe mich nie bereit gefühlt, alleine um die Welt zu reisen.

Trotzdem habe ich es getan.

Du möchtest Kinder kriegen? Dich selbstständig machen? Einen Dokumentarfilm drehen? Mit dem Rauchen aufhören? Dich im Fitnessstudio anmelden? Dir die Brüste vergrößern lassen? Deiner besten Freundin deine große Liebe gestehen?

Dann mache es jetzt.

Warte nicht länger auf den richtigen Moment, denn er wird nicht kommen.

2. Nachrichten

Ja, du liest richtig. 99% der Nachrichten sollten dir am Arsch vorbeigehen.

Wieso?

Weil dir Nachrichten ein verzerrtes Bild der Welt geben.

Glaubt man den Nachrichten, ist die Welt ein verdammt gefährlicher Ort. Wenn es nicht gerade irgendwo einen Terroranschlag gibt oder sich die Menschen wegen ihres Glaubens, ihrer Hautfarbe oder Ölvorkommen die Köpfe einschlagen, stehen wir kurz vor dem finanziellen Kollaps, eine große Naturkatastrophe wartet um die Ecke oder mutierte Laborraten planen, die Weltherrschaft an sich zu reißen und die Menschheit für wissenschaftliche Experimente zu missbrauchen.

Jeden einzelnen Tag gibt es in Horrornachrichten.

Das liegt jedoch nicht daran, dass die Welt ein gefährlicherer Ort geworden ist, sondern daran, dass schlechte Nachrichten die besseren Schlagzeilen abgeben.

Die letzten 70 Jahre waren im Vergleich zu der restlichen menschlichen Geschichte so gewaltlos und friedvoll wie nie zuvor.1

Im Mittelalter waren Krieg und Gewalt in Europa nicht außergewöhnlich, sondern so alltäglich wie ein Seitensprung bei Hollywood-Pärchen.

Obwohl unserer Planet überbevölkert ist und die Ressourcen sehr ungerecht verteilt sind, kommen die meisten mehr oder weniger friedvoll miteinander aus.

Die größten Konflikte zwischen Deutschland und Spanien spielen sich heutzutage auf dem Fußballplatz ab. Oder morgens um acht, wenn Dieter in Sandalen und Socken mit seinem Hotelhandtuch die Liege am Pool in Mallorca für sich beanspruchen will.

Noch ist Dieter nicht da …

Die Welt ist ein weitaus sichererer Ort, als die Medien uns weismachen wollen. Und genau deshalb sollte dir ein Großteil der Nachrichten am Arsch vorbeigehen.

Ich verzichte zum Beispiel seit über drei Jahren auf jegliche Form von Nachrichten. Trotzdem habe ich nichts Wichtiges verpasst.

Ich weiß, dass Trump Präsident der USA geworden ist, dass es einen Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt gab und dass bei den Oscarverleihungen 2017 der falsche Film zum Sieger gekürt wurde.

3. Motivation und Inspiration

Die meisten Menschen warten auf Motivation und Inspiration, anstatt einfach mal anzufangen.

Manche Menschen warten auf die eine große Geschäftsidee, die die Welt verändern wird. Andere fangen einfach mit einer mittelmäßigen Idee an und werden damit erfolgreich.

Manche Menschen warten auf den inneren Antrieb, um endlich ins Fitnessstudio zu gehen. Andere gehen einfach jeden Montag, Mittwoch und Freitag.

Manche Menschen warten darauf, dass sie endlich mal den Mut haben, ihren Arbeitskollegen nach einem Date zu fragen. Andere machen es einfach.

Motivation und Inspiration erscheint häufig erst, nachdem wir etwas angefangen haben, selten vorher.

Das ist auch der große Unterschied zwischen Amateuren und Profis. Amateure warten auf Motivation und Inspiration, Profis fangen einfach an. Die meisten Künstler, Schriftsteller, Profisportler und Topmanager fragen sich nicht, ob sie gerade Lust haben oder inspiriert sind – sie machen einfach.

Ich werde häufig gefragt, woher ich meine Inspiration zum Schreiben nehme. Meine Antwort ist immer dieselbe: Ich setze mich an meinen Rechner und fange an zu schreiben.

Es ist mir egal, ob ich müde bin, uninspiriert, traurig, es regnet oder ich schlecht geschlafen habe. Ich setze mich hin und fange an zu schreiben. Und in den allermeisten Fällen kommt auch irgendwann die Motivation und die Inspiration.

In über vier Jahren ist es mir erst drei oder vier Mal passiert, dass ich gar nichts schreiben konnte, obwohl ich es probiert habe.

Würde ich nur an den Tagen schreiben, an denen ich inspiriert bin, würde ich pro Jahr zweieinhalb Artikel schreiben – wenn überhaupt.

Motivation und Inspiration sollte dir am Arsch vorbeigehen. Konzentriere dich stattdessen auf Disziplin. Mehr dazu in diesem Artikel.

4. Was andere erreicht haben

Deine Freundin Susi hat drei Kinder, du keines.

Dein Kumpel Andreas fährt den neuen Audi A8, du nur einen verrosteten Golf.

Dein Nachbar ist Abteilungsleiter in einem internationalen Konzern, du bist Kellner beim Italiener um die Ecke.

Anchu Kögl war in über 50 Ländern, du warst in der neunten Klasse mal ein Wochenende in Paris.

Es sollte dir scheiß egal sein, was andere in ihrem Leben erreicht haben. Es wird immer jemanden geben, der mehr Geld verdient als du, der mehr gereist ist, der mehr Sexpartner hatte, der eine exklusivere Uhr besitzt, der besser aussieht, der mehr Instagram-Follower hat oder dessen Partner attraktiver als deiner ist. Und das ist OK.

Höre auf, dich zu vergleichen. Konzentriere dich stattdessen auf deine Stärken, auf deine Träume und auf das, was du schon erreicht hast.

P.S. Fick dich, falls du mehr Instagram-Follower hast als ich.

5. Gesellschaftliche Erwartungen

Jeder Mensch steht vor dem Dilemma, individuell zu sein und trotzdem zu einer sozialen Gruppe zu gehören.

Zum einen möchtest du dich also von anderen unterscheiden und etwas Besonderes sein. Zum anderen willst du aber auch dazugehören und möchtest, dass andere dich so akzeptieren, wie du bist.

Dieses Phänomen führt dazu, dass sich jede Gesellschaft aus verschiedenen Subkulturen zusammensetzt: Start-Up-Unternehmer, Studenten, Weltreisende, alleinerziehende Eltern, Punks, Spitzensportler, Künstler, Topmanager, Otto-Normal-Verbraucher oder Aussteiger – um nur einige zu nennen.

So gut wie jeder von uns ist Teil einer oder mehrerer Subkulturen. Und jede dieser Subkulturen stellt gewisse Erwartungen an ihre Angehörigen.

Selbst wenn du ein Punk bist und angeblich auf alles einen Fick gibst, lasten Erwartungen auf dir. Erwartungen an dein Aussehen, an dein Verhalten, an deine Einstellung. Du kannst nicht einfach morgens im Hemd ankommen, keinen Alkohol mehr trinken und den anderen erklären, dass du jetzt für ein Eigenheim sparst und Delfine retten möchtest.

Probleme entstehen, wenn wir unsere eigene Integrität verletzen und unsere Bedürfnisse vernachlässigen, um den Erwartungen einer bestimmten Subkultur zu entsprechen.

  • Wenn du dein Privatleben opferst, um viel Geld zu verdienen, nur weil es deine Freunde auch tun.
  • Wenn du Jura studierst, nur um den Erwartungen deiner Eltern gerecht zu werden.
  • Wenn du nach deinem Abitur eine Weltreise machst, weil es alle deine Klassenkameraden tun.
  • Wenn du heiratest, weil es bei dir im Dorf jeder macht.
  • Wenn du auf Kinder verzichtest, weil all deine Bekannten auch kinderlos sind.

Anstatt um jeden Preis den Erwartungen anderer zu entsprechen, solltest du dich auf deine eigenen Werte und Ziele konzentrieren. Das Umfeld, das zu dir passt, wird sich dann von allein ergeben.

Lebe nach deinen eigenen Werten und Vorstellungen, nicht nach denen anderer.

Müssen vs. können

Die meisten Dinge, die wir glauben tun zu müssen, sind selbstaufgelegte Ketten. Das ist uns jedoch kaum bewusst, da wir sie nie hinterfragen.

Was glaubst du fälschlicherweise tun zu müssen?

  • Du musst Karriere machen? Was passiert, wenn du es nicht tust?
  • Du musst es deinen Eltern und Bekannten recht machen? Was passiert, wenn du es nicht tust?
  • Du musst nett und freundlich sein? Was passiert, wenn du es nicht tust?
  • Du musst eine Liebesbeziehung führen? Was passiert, wenn du es nicht tust?
  • Du musst dich humorvoll und interessant geben? Was passiert, wenn du es nicht tust?
  • Du musst Diät machen und Sport treiben? Was passiert, wenn du es nicht tust?

Du solltest immer wieder überprüfen, was du wirklich möchtest und was du glaubst, tun zu müssen.

Wenn du zu lange nur Dinge tust, die du tun musst, glaubst du irgendwann, dass du sie auch tun möchtest. Und das ist eine traurige Verwechslung.

Scheiß drauf!

Ist dir schon mal aufgefallen, dass dein Leben besser verläuft, wenn du öfters Mal Scheiß drauf sagst?

Scheiß auf die Meinung anderer, auf negative Gedanken, auf die Angst und auf all die Kleinigkeiten, die nicht wirklich wichtig sind.

Weil dein Leben besser wird, wenn du öfters mal einen Scheiß gibst, habe ich den kostenlosen Ratgeber Innere Stärke zusammengestellt.

In dem Ratgeber erfährst du, wie du besser mit negativen Gedanken und Gefühlen umgehst, dich weniger mit anderen vergleichst und innerlich stärker wirst. Lade dir den Ratgeber jetzt kostenlos herunter:

  1. Pinker, S. (2011) Gewalt: Eine neue Geschichte der Menschheit. S. FISCHER; Auflage: 1
67 Kommentare
  1. Jean - Paul Kluck
    Jean - Paul Kluck sagte:

    Hi Anchu,

    sehr geil geschrieben und ” leider ” ins Schwarze getroffen. Schlimm ist wenn man eigentlich ( ich hasse dieses Wort ) weiß das es Mist ist einen Fick auf den ganzen Scheiß zu geben, es aber trotzdem tut.

    Danke für die neuen Blickwinkel.

    Gruß.

    Jean

    Antworten
    • Anchu Kögl
      Anchu Kögl sagte:

      Hi Jean,
      danke dir. Ja, ich weiß genau was du meinst. Auch ich kann nicht immer einen Fick auf all die Dinge geben, die an sich unwichtig sind. Aber ich lerne es Schritt für Schritt und es gelingt mir immer besser…
      LG

      Antworten
  2. S. Jvm
    S. Jvm sagte:

    Hey Anchu,
    Toller Artikel!
    Leider versteh ich den letzten Teil nicht ganz “müssen vs können”.
    Ich muss Karriere machen? Wenn ich das nicht mache passiert was?
    Was soll denn bitte passieren mal blöd gefragt.

    Ich hoffe du könntest das ein bisschen aufklären.
    Danke!

    Antworten
    • Anchu Kögl
      Anchu Kögl sagte:

      Hi S.,
      das ist so gemeint: Was glaubst du, tun zu müssen? Hinterfrage dann, was passiert, wenn du es nicht tust.
      Wenn du zum Beispiel glaubst, du musst Karriere machen, frage dich, was passiert, wenn du keine Karriere machst.
      LG

      Antworten
  3. ursula
    ursula sagte:

    Hallo Anchu

    Besten Dank!
    Super und komprimiert geschrieben. Aber es ist auch so verdammt schwer wirklich zum eigenen Kern zu gelangen und herauszufinden was man wirklich will.
    Liebe Grüsse
    Ursula

    Antworten
    • Anchu Kögl
      Anchu Kögl sagte:

      Hi Ursula,
      das ist es, in der Tat. Schicht für Schicht müssen wir den ganzen Mist abtragen, der uns von unserem wahren Strahlen abhält. Aber die Reise lohnt sich…
      LG

      Antworten
  4. Hristo
    Hristo sagte:

    Hi Anchu,
    super Artikel.
    Allerdings ein Offtopic – die letzten 70 relativ friedlichen Jahre sagen nichts über die Wahrscheinlichkeit für neuen globalen Konflikt aus. Nach Napoleon und vor WW1 haben viele Leute behauptet, die Welt sei friedlicher geworden. Nach dem WW1 haben auch viele Leute WW1 “The war to end all wars” genannt. Und jetzt nach dem WW2 kommen auch Leute wie Pinker, die die Statistik nicht verstehen und blödsinn erzählen.
    https://finance.yahoo.com/news/nassim-taleb-on-the-black-swans-of-war-194841536.html
    Das war ein Offtopic, weil dieses schwaches Argument mit dem Frieden nichts daran ändert, dass Nachrichten zum Ignorieren sind. Ich lese auch keine Nachrichten.
    An deiner Stelle würde ich das Zitat von Pinker weg tun. Es gibt auch viel bessere Belege, dass Nachrichten oft nur Bullshit sind.

    Antworten
    • Anchu Kögl
      Anchu Kögl sagte:

      Hi Hristo,
      danke für die Ergänzung. Das Ganze ist in der Tat ein Thema, in dem ich kein “Experte” bin.
      Jetziger Frieden hin und her, ich bin der Meinung, dass uns in den nächsten Jahrzehnten noch etwas “Großes” erwartet. Ich denke jedoch nicht, dass es ein Krieg wird – eher etwas in Richtung künstliche Intelligenz und das sie uns über den Kopf wachsen wird.
      Lesetipp von mir: Homo Deus von Yuval Noah Harari

      Antworten
  5. Hannes
    Hannes sagte:

    Hi Anchu, toller Artikel, wieder mal. Vielen Dank!
    Dein Schreibstil ist göttlich, wie auch bei deinen E-Books. Ein Hoch auf Strandliegenbesetzer Dieter!

    Antworten
  6. T.
    T. sagte:

    Schöner Artikel und er enthält soviel Wichtiges.
    Danke dafür!
    Die Quintessenz ist wohl, dass man sich auf sich selbst konzentrieren und sich selbst akzeptieren muss, bevor man von anderen in seiner Person akzeptiert werden kann.
    LG
    T

    Antworten
  7. Fabian
    Fabian sagte:

    Hey Anchu,

    der Artikel gefällt mir. Ich kann mich in jedem Unterpunkt des Artikels wiederfinden. Mittlerweile habe ich mich relativ gut von den Erwartungen der Gesellschaft gelöst, habe Disziplin aufgebaut und vergleiche mich nicht mehr so viel mit anderen. Auch wenn der Prozess wahrscheinlich noch lange nicht zu Ende ist.
    Früher habe ich zum Beispiel oft widerwillig Nachrichten gelesen, weil ich dachte ich muss informiert sein. Das ganze hat mir weder Spaß gemacht, noch hat es mich besonders inspiriert. Ich lese jetzt eher Bücher, Blogs und Artikel, die mir ein gutes Gefühl geben. Deinen zum Beispiel…

    Fabian

    Antworten
    • Anchu Kögl
      Anchu Kögl sagte:

      Hi Fabian,
      das freut mich zu hören. Auch ich habe ab und an mit einigen Punkten aus diesem Artikel zu kämpfen – wie 99% aller Menschen. Keiner von uns ist erleuchtet oder vollkommen sorgenfrei.
      Auf Nachrichten zu verzichten ist aber schon mal ein gigantisch großer Schritt!
      LG

      Antworten
  8. Felix
    Felix sagte:

    Hallo Anschu,

    Wirklich ein guter Artikel. Bringt vieles auf den Punkt. Was ich aber noch anfügen will ist, um die eigenen Werte und Normen zu stärken ist es meiner Meinung nach elementar selbst auch aktiv zu sein um die eigenen Werte auch zu stärken und die Angst zu verlieren. Im Fernsehen und bei Filmen sind die Storys ja immer recht spannend und man erlebt ohne etwas machen zu müssen die Spannung. Aber angstfrei wird man erst indem man sich selbst dem Leben aussetzt und heraus findet das alles gar nicht so kompliziert ist wie man denkt.

    Antworten
  9. Christoph
    Christoph sagte:

    Kurz & knackig auf den Punkt gebracht, mit schönen Beispielen, gefällt mir!
    Nicht am Arsch vorbeigehen sollte dir, dass ich finde, dass dein Schreibstil immer besser wird, Anchu ;)
    Lg, Christoph

    Antworten
  10. Sebastian
    Sebastian sagte:

    Hey Anchu,

    danke für den tollen Artikel. Das mit dem “Du willst dir deine Brüste vergrößern lassen – mach es!” möchte ich mal positiv herausheben. Oft ist es ja so, dass viele “verrückte” Dinge, die auf ein starkes Selbstwertgefühl schließen lassen, wie zB das klassische Studium abbrechen, “weil man erkannt hat, dass man eigentlich was anderes im Leben machen will”, als insgeheim doch positiv und stark angesehen werden, auch wenn jeder sagt, dass es verantwortungslos, unreif usw. wäre. Andere Dinge, die aber meist tatsächlich mit niedrigem Selbstwertgefühl in Verbindung gebracht werden (ob zu Recht oder Unrecht sei mal dahingestellt) werden oft wirklich negativ beäugt, und gerade da ist es oft wichtig, das dann trotzdem durchzuziehen, weil man es eben für sich selbst wichtig findet.
    LG
    Sebastian

    Antworten
    • Anchu Kögl
      Anchu Kögl sagte:

      Hi Sebastian,
      interessante Bemerkung. Ich denke, es kommt immer darauf an, warum man etwas macht – gerade bei einem Thema wie eine Schönheits-Op. Mein Körper ist ja auch nicht mehr ganz natürlich (ich bin tätowiert), aber ich habe mich nicht tätowieren lassen, um etwas kompensieren zu wollen.
      LG

      Antworten
      • Sebastian
        Sebastian sagte:

        Hi Anchu,

        ja da hast du Recht, aber müsste es nicht eigentlich noch weiter gehen, dass man sagt: Ich akzeptiere, dass ich diese Schönheits-OP (um beim Beispiel zu bleiben) jetzt brauche, obwohl ich weiß dass ich damit etwas kompensieren will. Ich schaffe es trotz intensiver und aufrichtiger Bemühungen aktuell nicht, mich so zu akzeptieren wie ich bin. Dies wiederum akzeptiere ich und verurteile mich nicht dafür.

        Ich glaube außerdem, dass es ein Trugschluss ist wenn jemand behauptet, durch eine Schönheits-OP (und genau genommen ist eine Tätowierung auch so etwas ähnliches, weil die Farbe/Beschaffenheit der Haut verändert wird) könne das Selbstwertgefühl nicht erhöht werden und nach der ersten OP würde automatisch der Wünsch nach einer weiteren aufkommen. Wenn man keine zu hohen Erwartungen hat und genau weiß was man tut, muss das nicht schlecht sein, auch oder gerade dann wenn es aus Kompensationsgründen heraus geschieht.

        Außerdem ist eine Grenze denke ich oft nur ganz schwer zu ziehen, wann “gesundes Verhalten” aufhört und Kompensation anfängt.

        LG
        Sebastian

        Antworten
        • Anchu Kögl
          Anchu Kögl sagte:

          Hi Sebastian,
          so gesehen kann man alles akzeptieren. Meine Sichtweise: solange es dir weiterhilft und dazu führt, dass es dir langfristig besser geht, tue es!
          Auf jeden Fall ist es gut, dass du akzeptieren kannst, dass du dich gerade nicht selbst akzeptieren kannst.
          LG

          Antworten
  11. Sinah Altmann
    Sinah Altmann sagte:

    Lieber Anchu,
    ich finde Ihren Stil nach wie vor herrlich erfrischend – toll, wie Sie wichtige Themen Ihrem Publikum nahebringen. Qualitativ unterscheiden Sie sich erheblich von den vielen anderen, die sich darin versuchen.
    Chapeau von der “alten Häsin” Sinah :)

    Antworten
  12. Toxic
    Toxic sagte:

    Zum Punkt “einfach machen” mir ist aufgefallen, dass unter anderem fehlende Energie dafür verantwortlich ist, weshalb man etwas nicht durchzieht. Ich konnte mich nie aufraffen vormittags schwimmen zu gehen, seitdem ich jedoch regelmässig mehr trainiere, hab ich es einfach durchgezogen, da mein Körper die nötige Energie hat. Danke für den Artikel.

    Antworten
    • Anchu Kögl
      Anchu Kögl sagte:

      Hi Toxic,
      ja, ich weiß, was du meinst. Generell ist es so; dass je mehr wir machen, desto mehr Energie haben wir. Der springende Punk ist nur: irgendwann muss man mal anfangen :-)
      LG

      Antworten
  13. Rainy
    Rainy sagte:

    Lieber Anchu!

    Weißt Du, was Dein Problem ist oder zumindest eines davon?
    Du schreibst soviele geile Artikel, dass es schon überfordernd ist ;)

    Danke sehr!
    LG

    Antworten
    • Anchu Kögl
      Anchu Kögl sagte:

      Hi Rainy,
      jetzt muss ich aber mal offen sagen: Das geht mir nicht am Arsch vorbei! Vielen Dank, das zu hören freut mich riesig, vor allem da ich in letzter Zeit echt viel geschrieben habe…
      LG

      Antworten
  14. Judith
    Judith sagte:

    Hii Anchu,

    definitiv einer meiner Lieblingsartikel von dir. Und die “gesellschaftlichen Erwartungen” sind echt so ne Sache für sich… Doch ich nehme das einfach mal als Anlass, einmal mehr weniger drauf zu geben ;-)
    Danke!

    Judith

    Antworten
    • Anchu Kögl
      Anchu Kögl sagte:

      Hi Judith,
      danke, das freut mich zu hören. Das mit den Erwartungen ist absolut nicht einfach – es betrifft mich ja genauso. Aber genau daran erkennen wir auch, wie sehr wir wachsen…
      LG

      Antworten
  15. Michi Hirschmann
    Michi Hirschmann sagte:

    Hi Anchu!
    Richtig fetter Artikel, ehrlicher und authentischer kann man’s nicht sagen. Vielen Dank, hat auf alle Fälle wieder meine internen Denkmuster umgepolt!
    Ich mag die Art, wie Du schreibst.
    Weckt auf und zieht rein!

    Antworten
  16. Gert
    Gert sagte:

    Stimmt schon was du sagst.
    Nur muss man auch die veränderte Gesellschaft, in der man lebt berücksichtigen.
    Ich bin Jahrgang 60. Damals wurden wir mehr über die Medien erzogen, als von unseren Eltern, und das ist bis heute so geblieben. Individualisierung und Freiheitsliebe wurde uns sozusagen von Amerika aus, als neue Hoffnung verkauft,….bloss? Nicht jeder ist dzau geeignet, so ein riskantes Leben zu führen.

    Meine Thes ist , in einer überindividualisierten Gesellschaft kann es zur Zufriedenheit führen, wenn man den Weg zurück nimmt, und sich stärker an die Umgebung anpasst. Denn der Mensch vertraut dem, und liebt das, was ihm ähnlich ist.
    Alles Fremde und Besondere erweckt zunächst auch Misstrauen.

    Antworten
    • Anchu Kögl
      Anchu Kögl sagte:

      Hi Gert,
      das ist ein guter Punkt. Ich bin nicht der Meinung, dass die übertriebene Individualisierung uns gut tut. Außerdem ist kaum jemand so individuell wie er glaubt zu sein. Letztendlich tun wir alle ähnliches, geben Geld für ähnliche Dinge aus und haben ähnliche Sorgen und Wünsche …
      LG

      Antworten
      • gert
        gert sagte:

        ja. Uns verbinden mehr Dinge und Wünsche, als uns trennen.
        Drauf gekommen bin/ war ich als ich ein paar Passagen von Karl ove Knausgard gelesen habe. ” Das Amerika der Seele”.
        Es gibt zur Zeit einen ziemlichen Hype um den Autor, ich vermute unter anderem deswegen, weil er uns allen ein Stück Geschichte zurückgibt…also die Zeit zwischen 1960-1980…
        er sagt lauter Sachen, die ich gefühlsmässig so ähnlich über diese Zeit in Erinnerung habe…so geht es Vielen, die ihn lesen.
        Unter Anderem ist auch der starke mediale Amerika-einfluss spürbar, der damals bei der Jugend so eine Art unbewusste kulturelle Revolution auslöste. Plötzlich wurde mir bewusst,…
        das war ja überall. Auch in Norwegen?!
        Seine Sehnsucht, Autor zu werden, aber eine bestimmte Art Autor, wie Kerouac, Bukowski, usw hing direkt damit zusammen, das er mit dieser Art von Literatur konfrontiert wurde.

        Antworten
  17. Heidi Kaubisch
    Heidi Kaubisch sagte:

    Hallo Anchu, wieder ein sehr weiser und zum-nachdenken-anregender Artikel! Der Mensch ist doch prinzipiell wie eine Marionette, der das Bedürfnis hat, sich meistens immer nach anderen zu richten, anderen Erwartungen gerecht zu werden, ja nicht auffallen und aus der Reihe zu tanzen… und bei alledem übersehen wir, was wir eigentlich selbst wollen, eine eigene Meinung zu vertreten oder seinem Gefühl zu vertrauen. In dieser Zwickmühle zu stecken ist total schwierig. Ich steck grad selbst in einer Situation, wo es mir schwer fällt, mich nicht von anderen Erwartungen und Meinungen beeinflussen zu lassen, sondern mir selbst treu zu sein und auch mal andere, neue und ungewohnte Wege zu gehen, ohne darüber nachzudenken, wie es wohl ankommt und was andere davon halten. Genau das ist das Problem: man will in der Gesellschaft (oder die meisten) immer gefallen und es allen recht machen und dafür verbiegt man sich, tut und macht, um mit anderen mitzuhalten. Eigentlich schlimm, aber man will ja auch nicht dumm da stehen, wenn dann doch was schief geht und man sich anhören darf “ich hab`s ja gesagt…” …und wie kommt man daraus? Vielleicht sollte man einfach den Mut haben und für seine Entscheidungen einstehen. Ich glaube, der eigene Perfektionismus treibt uns für vieles an, bremst uns in entscheidenten Situationen oder Lebenslagen aber auch aus. Ich denke, man muss das richtige Mittelmaß finden, richtig?
    Viele Grüße,
    Heidi

    Antworten
    • Anchu Kögl
      Anchu Kögl sagte:

      Hi Heidi,
      der springende Punkt ist der: zum einen haben wir das Bedürfnis nach Individualität und zum anderen das Bedürfnis nach Anerkennung. Die wenigsten Menschen sind glücklich, wenn sie von keinem akzeptiert werden und nirgends dazugehören – obwohl sie ihr Ding machen.
      Wie du also erkannt hast, geht es darum, die Balance zu finden.
      LG

      Antworten
  18. Rosita
    Rosita sagte:

    Hi,
    gut geschrieben,
    “Muss” ist ja wohl eine der negativen Formulierungen, die es überhaupt gibt.
    Da kommt ja gleich garkeine Freude und Lust auf. Wenn schon dennschon “ich möchte oder will”.
    Thehma Anerkennung: Der Mensch ist leider ein Herdentier, der immer in der Herde mitläuft, macht er dies nicht, wird er nicht akzeptiert. Viele wollen Anerkennung, (denken sie werden geliebt, wenn sie das tun, was die meisten für richtig halten) nur nicht auffallen, schlimmsten falls bestraft von meiner Familie, Freunden, Partner u. ä. in irgendeiner Weise werden. Niemand läst sich gern ausgrenzen, zu gewissen Zeiten wurde man sogar dafür umgebracht. Ziemlich Scheisse! Das sind Werte, die wurden von Generationen zu Generationen den Menschen regelrecht eingehämmert, und hat heut immer noch seine Gültigkeit. Sich davon zu lösen, ein schwieriges Unterfangen. Also lieber akzeptieren und weitermachen, so wie es immer war. Konsequenz: leiden, meckern, funktionieren, mehr Frust als Lust, Monotonie. Klasse Leben! Zum Glück gab es in der Geschichte der Menschheit immer schon welche, die haben degegen rebeliert, denn war es egal und sind ausgebrochen. Ein Hoch auf diese Menschen, mein grössten Respek! Wer nicht untergegangen ist, der hatte am Ende seines Lebens wenn er glück hatte, innere Zufriedenheit, den grössten Respekt. Sie veränderten sogar die Weltgeschichte und nur weil sie sich von dem Herdentrieb lösten.
    Es gibt immer zwei Seiten, die Entscheidung, liegt bei jedem selbst.
    Schöne Grüsse

    Antworten
  19. Agnese
    Agnese sagte:

    Gott sei Dank hat es endlich jemand aus dem Punkt gebracht!
    Danke dafür!
    Ich musste schmunzeln….und ja, direkt bei Facebook geteilt!???

    Antworten
  20. M.Fauter
    M.Fauter sagte:

    Ich bin froh das ich anders bin als manch anderer. Mir ist egal was andere verdienen oder welches Auto Sie fahren. Was für einen Job Sie haben. Ich für meinen Teil habe meinen Traumjob und verdiene angemessen gut . Was andere über meine Job denken geht mir am Arsch vorbei. Gut ganz perfekt bin ich jetzt auch nicht und finde Anchu schreibt es schon sehr treffend. Ein Beispiel: Jetzt anpacken und nicht irgendwann.

    Antworten
  21. Tobias Pfalzgraf
    Tobias Pfalzgraf sagte:

    Ein Bericht der mir aus der Seele spricht. Seit ich nicht mehr alles an mich ran lasse, fällt mir vieles wesentlich einfacher. Letztens sagt meine Frau auch wieder zu mir, was ist los mit Dir? Das hast Du früher nie gemacht… Es wirklich wichtig das an man auch mal an sich denkt und nicht zu allem Ja und Amen sagt. Vor einem Jahr hätte ich auch nicht gedacht, dass ich mal vor meinen Chef stehe und sage bis hier hin und nicht weiter. Denn sonst hast Du einen Mitarbeiter weniger. Leute probiert es aus, dass ist ein wirklich grandioses Gefühl.

    Antworten
    • Anchu Kögl
      Anchu Kögl sagte:

      Hi Tobias,
      ja, Grenzen zu setzen und man Nein sagen zu können ist unheimlich wichtig! Auch ich musste das erst lernen und auch heutzutage lerne ich bei dem Thema noch viel dazu…
      LG

      Antworten
  22. Oksana
    Oksana sagte:

    ????
    Ich muss zugeben, der Punkt mit den Nachrichten ignorieren, habe ich jahrelang praktiziert. Jetzt wird mir klar, dass es richtig war. Hatte oft ein Gefühl „nicht dazu zu gehören“, weil
    Kollegen jeden Morgen vor der Zeitung sitzen. Aber mein Desinteresse überwog das Gefühl:)
    Es hat mich gefreut, es bestätigt bekommen zu haben. Danke

    Antworten
  23. Ricardo
    Ricardo sagte:

    Was tun, wenn ich im Rahmen meines Berufes (der mir an sich viel Freude bereitet) dazu verpflichtet bin, die Nachrichtenlage regelmäßig zu prüfen und zu bewerten? An dem Punkt komme ich irgendwie nicht weiter. Nicht alle Nachrichten “berühren” mich, aber ausschließen kann ich es nicht.

    Antworten
  24. Do
    Do sagte:

    Hallo Anchu. Insbesondere der Punkt mit “es gibt keinen richtigen Zeitpunkt” ist goldrichtig, gerade im Hinblick auf Frauen. Ich war früher eher schüchtern (obwohl ich nicht schlecht aussehe und schon einige Frauen hatte) – die Folge: man steht den ganzen Abend an der Bar und bleibt nur in seiner Clique unter sich, oder man trifft im Alltag lauter Frauen, die einem gefallen würden und spricht keine einzige davon an, weil “der Zeitpunkt nicht passt”. Inzwischen habe ich das komplett abgelegt und es geht mir sehr gut dabei. Beim Ausgehen vergehen keine 10 Minuten, bis ich mit einer Frau im Gespräch bin, die mir gefällt. Auch in ganz alltäglichen Situationen bin ich viel offener und denk mir immer öfters “scheiß drauf, das mache ich jetzt einfach”. Man muss sich im Leben einfach öfters fragen “was habe ich jetzt wirklich zu verlieren?” – schlimmstenfalls resultiert daraus nur ein kurzer negativer Moment (z.B. wegen einer Abfuhr), aber in den meisten Fällen etwas langfristig gutes.

    Antworten
  25. Kiria Vandekamp
    Kiria Vandekamp sagte:

    Geiler Artikel, Anchu!
    Bin frisch auf deinen Blog gestoßen und muss sagen, mir gefällt dein Stil 😄
    Mir selbst klopfe ich jetzt mal auf die Schulter, weil ich finde, dass ich diese Punkte mittlerweile meistens ganz gut hinkriege. Da hat das Älterwerden doch auch seine Vorteile 😉
    Nachrichten ziehe ich mir schon lange nicht mehr rein und kriege doch alles Wichtige mit.
    Ansonsten hilft mir oft die Einstellung „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich‘s weiter ungeniert“, um loszulassen.
    Danke, ich werde mal noch ein bisschen ein deine Schreibereien reinschnuppern…
    Herzlichen Gruß

    Antworten
  26. Lara
    Lara sagte:

    Hi,
    super geschrieben und ich hab mich wieder erkannt. Was hab ich früher alles gemacht. Und wie oft ich inzwischen sage “Scheiß drauf”. Mir geht es richtig richtig gut damit.

    Antworten
    • Anchu Kögl
      Anchu Kögl sagte:

      Hi Lara,
      das glaub ich dir sofort! Den auch mir geht es ähnlich… Öfter mal scheiß drauf! sagen ist tatsächlich sehr wohltuend und befreiend! (Nicht umsonst heißt mein Buch so).
      LG

      Antworten
  27. Diana
    Diana sagte:

    Hi Anchu,
    deine Tips sind wirklich hilfreich.

    Aber es gibt doch leider auch Dinge (meine ich), die einem nicht am Arsch vorbeigehen können, z.B. familiäre Verpflichtungen wie ein runder Geburtstag eines Elternteils oder engere Verwandschaft, obwohl man überhaupt keine Lust dazu hat, teilzunehmen. Jeder sagt, da MUSST du hin.

    Wie geht man damit um? Gibt es diese Ausnahmen und sollte man diese auch akzeptieren?

    Grüße
    Diana

    Antworten
    • Anchu Kögl
      Anchu Kögl sagte:

      Hi Diana,
      das ist ein guter Punkt. Sicherlich sollte einem nicht alles am Arsch vorbeigehen. Müssen tust du trotzdem nicht. Ob du hingehen willst, hängt ganz von dir und deinen Werten ab. Ich würde es zum Beispiel tun.
      LG

      Antworten

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