Im Hier und Jetzt leben

Im Hier und Jetzt leben: Eine simple Anleitung

Im Hier und Jetzt lebenLebe im Hier und Jetzt! Dieser Spruch hat sich in den letzten Jahren in Lifestyle-Magazinen, YouTube-Videos und Ratgeber-Büchern etabliert.

Kaum jemand, der seine Persönlichkeitsentwicklung in die eigene Hand nimmt, kennt ihn nicht.

Was aber genau meinen wir, wenn wir „Lebe im Hier und Jetzt!“ sagen?

Und noch wichtiger:

Ist ein ständiges Leben im Hier und Jetzt überhaupt immer möglich oder gar ratsam?

In diesem Artikel werde ich für Klarheit sorgen.

Hier wirst erfahren:

  • … was es wirklich bedeutet, mit dem Moment verbunden zu sein.
  • … wieso ein Leben im Hier und Jetzt in der Zeit, in der wir leben, immer schwieriger wird.
  • … was du dennoch tun kannst, wenn du mehr im Hier und Jetzt leben möchtest.

Im Hier und Jetzt leben: Was genau ist damit gemeint?

Schlafend oder wach. Ängstlich oder entspannt. Betrunken oder nüchtern. Der Mensch kennt viele Bewusstseinszustände.

Diese Zustände sind aus moralischer Sicht weder gut noch schlecht. Einige davon wirken lediglich unterstützend für dein Wohlbefinden, während andere dir auf Dauer schaden.

Und dies bringt uns auch schon zu unserem Thema:

Im Hier und Jetzt leben ist nichts anderes als einer jener Bewusstheitszustände, die nachhaltig für ein gutes Lebensgefühl sorgen. Dich in diesem Zustand aufzuhalten, bedeutet:

  • … deine Sinne zu spüren. Wirklich hier und wach zu sein.
  • … den Dingen, die dir passieren, mit einer Haltung der Akzeptanz zu begegnen.
  • … dir selbst Raum zu geben. Und all jene Gefühle und Gedanken wahrzunehmen, die in dir sind.

Im Hier und Jetzt Leben bedeutet, sich dem Leben vollkommen hinzugeben. Und dadurch offen zu werden für die Botschaften, die das Leben dir mitteilen will.

Im Hier und Jetzt leben

Wann hast du dich dem Leben das letzte Mal vollkommen hingegeben?

Hört sich das nach einem in unserer Gesellschaft verbreitet ist?

Eher nicht.

Viel zu oft rennen wir eher vor dem Leben weg, als es willkommen zu heißen:

  • Wir lenken uns mit Videospielen, Netflix, dem Smartphone oder anderen Aktivitäten ab, um nicht die unsere eigenen beunruhigenden Gedanken wahrnehmen zu müssen.
  • Anstatt einen realistischen Blick auf unsere eigene Lebenssituation zu wagen, geben wir uns Phantasien hin. Wir rennen Tagträumen hinterher und malen uns in lebhaften Farben eine Zukunft aus, in der all unsere Wünsche erfüllt sind. Und das, obwohl wir bereits jetzt all jene Dinge genießen könnten, was wir schon haben.
  • Wir unterdrücken unangenehme Gefühle, weil wir sie irgendwann mal als falsch verurteilt haben. Innerlich verhärten wir dadurch. Und als Ergebnis fällt uns der Aufbau authentischer, verletzlicher zwischenmenschlicher Beziehungen immer schwerer.

Alles, was du tust, ist entweder eine Bejahung oder eine Verneinung des Lebens.

Ein Beispiel:

Wenn du dir jede Woche einen schönen Film zum Entspannen gönnst und dich voll und ganz auf diesen Film einlässt, ist das wunderbar.

Sobald du die Stimulation des Films jedoch nutzt, um dich vom Umstand abzulenken, dass du mit deinem Job oder deiner Beziehung unzufrieden bist, rennst du nur von vom Leben davon. Und damit schadest du dir am Ende nur selbst – denn schließlich lösen sich deine Probleme nicht, wenn du sie ignorierst.

Wie also kannst du es nun schaffen, mehr im Hier und Jetzt zu leben? Wie gelingt es dir, eine stärkere Verbindung zum Moment aufzubauen und das Leben wirklich willkommen zu heißen?

1. Schaffe Raum für das, was ist

Wenn du im Hier und Jetzt leben möchtest, musst du zunächst eine mutige Entscheidung treffen:

Die Entscheidung, nicht mehr vor deinen Themen davonzurennen. Sie vollkommen anzunehmen und mit ihnen in einer sanften Art und Weise zu arbeiten.

Anders ausgedrückt:

Wenn du das Gefühl hast, dass dich irgendwas an dir oder deiner Lebenssituation stört, fange an, hinzuschauen. Gebe dem, was da ist, Raum.

Da wir in einer Zeit leben, in der es immer einfacher wird, sich abzulenken und ständig beschäftigt zu sein, ist dies gar nicht so leicht.

Im Hier und Jetzt leben

Wenn du im Hier und Jetzt leben möchtest, brauchst du Raum für dich selbst

Dennoch solltest du es versuchen:

  • Mach ab und zu einen Solo-Spaziergang durch den Park.
  • Schalte dein Smartphone am Abend für einige Stunden aus.
  • Fange nicht gleich die nächste Netflix-Serie an, nachdem du die letzte beendet hast.
  • Erlaube es dir, hin und wieder Langeweile zu haben – und nichts zu tun, um diese Langeweile zu beseitigen.

Wenn du dir selbst den nötigen Raum für deine Gefühle und Gedanken gibst, stellt sich Klarheit in dir ein. Du spürst endlich wieder dich selbst und bist mit dem Moment verbunden.

Du lebst im Hier und Jetzt.

Und dieses Gefühl ist es, wonach sich deine Seele wirklich sehnt.

2. Gib den Widerstand auf

Weil es so wichtig ist, wiederhole ich es noch einmal:

Im Hier und Jetzt leben bedeutet, die Dinge anzunehmen.

  • Zu akzeptieren, dass du dich nach einer Nacht schlechten Schlafs einfach mal scheiße fühlst.
  • Damit ok zu sein, wenn dich deine Lebenssituation überfordert und du nicht weiterweißt.
  • Deine eigene Wut anzunehmen, wenn dir jemand auf der Straße die Vorfahrt genommen hat.
  • Dich in deine Trauer hineinfallen zu lassen, nachdem dich ein geliebter Mensch verlassen hat.
  • Voll und ganz in deiner Freude zu sein, wenn du etwas Schönes erlebst.

Egal ob es um angenehme oder unangenehme Gefühle, Gedanken oder Situationen geht – Annahme macht das Leben leichter und entspannter.

Besonders bei jenen Empfindungen, die nicht besonders angenehm sind, tun wir uns mit der Annahme jedoch ziemlich schwer.

Wir unternehmen einiges, um vor Gefühlen wie Angst, Schuld, Scham oder Traurigkeit davonzurennen. Im Grunde ist ein großer Teil der Persönlichkeitsentwicklungsliteratur nichts anderes als eine Unterstützung dieses Davonrennens, des inneren Widerstandes.

Im Hier und Jetzt leben

Wenn du den Widerstand aufgibst, segelst du auch nicht mehr gegen den Wind

Gegenüber einer Sache Widerstand zu zeigen bedeutet, diese Sache nicht anzunehmen – sie beseitigen zu wollen. Oder noch präziser:

Es bedeutet, diese Sache nicht als Teil von dir selbst zu sehen.

Wenn du ein Buch zum Aufbau eines größeren Selbstbewusstseins durcharbeitest, wirkt sich dies im Allgemeinen zwar positiv auf deine Entwicklung aus. Gleichzeitig läufst du damit aber auch Gefahr, deinen inneren Widerstand aufrecht zu erhalten. Und mit der Arbeit an dir selbst vor einem Gefühl innerer Unzulänglichkeit davonzulaufen.

Das Gefühl eines schwachen Selbstbewusstseins ist nämlich ein Teil von dir. Und auch wenn dieser Teil die Realität vielleicht nicht klar sieht – er möchte sich dennoch geliebt und angenommen fühlen.

Vielleicht merkst du jetzt, wieso du immer dann, wenn du „an dir selbst arbeitest“, wachsam sein solltest:

  • Wie oft rennst du wirklich vor deiner tieferen Wahrnehmung davon?
  • Wie oft tust du dich schwer, deine inneren Aspekte liebevoll als Teil von dir anzunehmen?
  • Wie oft verbirgt sich hinter deinem Wunsch nach Selbstverbesserung ein versteckter Selbsthass?

Die Aufgabe deines inneren Widerstandes ist keinesfalls eine Form der Resignation. Es ist lediglich eine Art Selbstliebe, eine vollkommene Annahme all jener Dinge, die in dir sind.

Das nächste Mal, dass du dich in einem unangenehmen Gefühl widerfindest, sprich mit dem Gefühl, als ob es eine eigene Persönlichkeit hätte. Sage ihm:

„Ich bin voll und ganz bei dir. Du darfst jetzt da sein!“

Du wirst merken, wie du dadurch eine vollkommen neue Ebene der inneren Harmonie erreichst.

An dir arbeiten kannst du dann immer noch. Mit dem einzigen Unterschied, mit deinen Handlungen nun nicht mehr neurotisch vor deinen Gefühlen wegrennst.

Stattdessen begibst du dich nun auf einen Weg des authentischen Wachstums. Auf einen Weg der Annahme dessen, was hier und jetzt in dir passiert und ist. Und dieser Weg macht deutlich mehr Spaß!

Wenn du also im Hier und Jetzt leben möchtest, schaffe Raum für dein Innenleben. Und dann gib den Widerstand gegenüber allem auf, was hochkommt.

Was du nicht wahrhaben willst

Du hast bereits gelernt, dass es meist die unangenehmen Gefühle sind, die wir unterdrücken.

Ist dir jedoch bewusst, dass sich hinter unangenehmen Gefühlen oft auch unangenehme Wahrheiten befinden?

Was ich damit meine:

  • Wenn dir dein aktueller Job schlechte Laune bereitet, liegt das wahrscheinlich daran, dass der Job einfach nicht der richtige für dich ist.
  • Wenn du dich in Gegenwart deines Partners nicht wertgeschätzt und angenommen fühlst, akzeptiert dein Partner dich wahrscheinlich wirklich nicht – oder zumindest nicht vollkommen.
  • Wenn du in deinem Leben ständig unzufrieden bist und schlechte Laune hast, gibt es wahrscheinlich einige Lebensbereiche, die du komplett vernachlässigst. Oder in denen du zumindest nicht so zufrieden bist, wie du es sein könntest.

Diese Aussagen mögen auf den ersten Blick vollkommen selbstverständlich, ja beinahe überflüssig wirken.

Im Hier und Jetzt leben

Manchmal musst du dich einfach nur der Wahrheit stellen – wie unangenehm es auch sein mag

Aber Hand aufs Herz – wie oft traust du dich, deinen Gefühlen wirklich zu vertrauen und der dahinterstehenden Wahrheit voll und ganz in die Augen zu sehen?

Eher selten.

Meist rennst du in deinem Alltag vor unbequemen Wahrheiten eher davon. Du nimmst lieber den einfachen Weg – den, der weder Nachdenken noch aktive Veränderung benötigt.

Und damit schneidest du dir über kurz oder lang nur ins eigene Fleisch.

Lebe deshalb im Hier und Jetzt. Schau hin und sieh die Dinge, wie sie sind. Gib deinen Gefühlen Raum. Finde heraus, worauf sie dich aufmerksam machen wollen.

Wenn du dann deiner inneren Stimme folgst, wirst du mittelfristig zwar Herausforderungen meistern müssen, die du dir mit schierer Ignoranz erspart hättest.

Langfristig wirst du jedoch mit innerer Harmonie, einem nachhaltig größeren Selbstbewusstsein und stärkerer Verbundenheit zu deinem authentischen Ich belohnt.

Und das ist doch was, oder?

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7 Kommentare

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  1. Steffen Becher
    Steffen Becher sagte:

    Da gibt es eigentlich nichts hinzuzufügen. Man kann immer wieder dazulernen, wenn man deine Artikel so liest. Es ist einfach fantastisch. Mach weiter so, denn die Welt braucht dich, Anchu!

    Antworten
  2. Michel
    Michel sagte:

    Tobias & Anchu, ganz dickes fettes AMEN!!! für diesen Artikel.

    Dieser Artikel spricht mich sooo sehr an.

    Früher war ich richtig abgefuckt.

    Da habe ich entweder in der Vergangenheit ODER in der Zukunft gelebt.

    Aber weisst du was:

    Ich habe mir nur all den Scheiss aus der Vergangenheit in meine Gedankenwelt geholt.

    All die Dinge, die ich nicht gemacht habe… die ich verpasst habe… die ich hätte anders machen können, usw.

    Und wenn ich über die Zukunft nachgedacht habe, ging es immer nur um Sorgen, Zweifel und Ängste.

    Da kann man sich ja sicher ausmalen, was das für ein Mindset ist und wohin das führt.

    Und erst als den Raum geschaffen habe, für das, was ist und den Widerstand aufgegeben, wusste ich, dass es sooo viele Möglichkeiten da draussen für mich gibt.

    Mir hat die Stille so sehr geholfen.

    Einfach nur mit mir sein… bei mir sein… mehrmals am Tag… allem voran aber morgens… direkt nach dem Aufwachen… raus auf den Balkon… Stille… und… atmen…

    Lieben Gruß, Michel

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  3. Rainer Ostendorf
    Rainer Ostendorf sagte:

    Ein schöner Artikel, zu dem mir das folgende Zitat eingefallen ist.
    “Verweile nicht in der Vergangenheit, träume nicht von der Zukunft. Konzentriere dich auf den gegenwärtigen Moment.” Buddha
    Schöne Grüsse aus Osnabrück

    Antworten