Wann hilft eine positive Affirmation?

Positive Affirmationen: alles, was du darüber wissen musst (+Beispiele)

Es ist gut möglich, dass du schon mal was von positiven Affirmationen gehört hast. Diese sollen dir dabei helfen, dich selbst in einem besseren Licht zu sehen.

Laut vielen Gurus sind positive Affirmationen ein schneller Weg um erfolgreicher, gesünder, attraktiver und glücklicher zu werden.

Doch ist das wirklich so?

In diesem Artikel erfährst du alles, was du über Affirmationen erfahren musst (plus eine überraschende Erkenntnis).

Was sind Affirmationen? Und wozu sollen sie gut sein?

Was sind Affirmationen? Eine Affirmation ist letztendlich nichts anderes als eine wünschenswerte Eigenschaft, die du dir immer wieder selbst einredest.

Typische Affirmationen sind Dinge wie:

  • Ich bin glücklich.
  • Ich liebe mich selbst.
  • Ich kann alles schaffen.
  • Ich bin attraktiv.
  • Ich ziehe Geld an.

Dadurch, dass du etwas wünschenswertes immer wieder wiederholst, dringt es in dein Unterbewusstsein ein und du “programmierst” dich neu. Dadurch kannst du dein Selbstbild verbessern, negative Glaubenssätze verändern und dein Unterbewusstsein beeinflussen.

Vor allem aber ziehst du dank des Gesetz der Anziehung mehr Liebe, Glück, Erfolg oder was-auch-immer-du-dir-gewünscht hast an. Angeblich.

Welche Arten von Affirmationen gibt es?

Es gibt eine Menge… Hier nur eine kleine Auswahl:

  • Affirmationen für Selbstbewusstsein
  • Positive Affirmationen für Liebe
  • Affirmationen zum loslassen
  • Positive Affirmationen für Selbstliebe
  • Affirmationen für Erfolg
  • Affirmationen zum abnehmen.
  • Usw.

Sind positive Affirmationen eine Art magische Pille?

Seien wir ehrlich: Die Idee von positiven Affirmationen ist verlockend!

Nehmen wir an, du möchtest ein wenig selbstbewusster werden. Denn hey, ein wenig mehr Selbstbewusstsein schadet ja nicht, oder?

Angeblich erreichst du das ganz einfach, in dem du jeden morgen nach dem pinkeln kurz in den Spiegel schaust und voller Überzeugung sagst:

Ich strotze nur so vor Selbstbewusstsein!

Positive Affirmationen werden häufig als „magische Pille“ angepriesen. Egal, welche Eigenschaft du dir wünschst, es reicht, wenn du sie dir oft genug einredest.

Doch wie die meisten „magischen Pillen“ hat auch diese einen Haken.

Lesefaul? Die wichtigsten Punkte des Artikels erfährst du auch in diesem Video:

Warum laut moderner Psychologie positive Affirmationen oft nicht funktionieren

Es scheint , dass positive Affirmationen nur bei den Menschen funktionieren, die schon ein gutes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen haben – also bei Menschen, die diese Affirmationen nicht wirklich brauchen.

Bei unsicheren Menschen mit einem eher niedrigen Selbstwertgefühl funktionieren diese Affirmationen nicht. Oft bezwecken sie sogar das Gegenteil und führen dazu, dass sich diese Menschen noch schlechter fühlen.

Bist du also restlos von dir überzeugt und redest dir dann ein, wie toll, selbstsicher und unheimlich sexy du bist, hat das positive Auswirkungen auf deine Stimmung (auch wenn die Auswirkungen laut Studien nur sehr gering sind).

Bei niedrigem Selbstwert helfen positive Affirmationen meist nicht

Ich hab mich umgeschaut: Wir sind die geilsten hier!

Bist du hingegen eher unsicher, ängstlich und hast ein niedriges Selbstwertgefühl, werden dir positive Affirmationen nicht weiterhelfen und wahrscheinlich sogar dazu führen, dass du dich noch schlechter fühlst.

In einer renommierten Studie stellte sich heraus, dass positive Affirmationen („ich bin eine liebenswürdige Person“) bei Menschen mit niedrigem Selbstwertgefühl durch die Bank dazu führte, dass sich diese schlechter als vorher fühlten.1

Diese Studie bestätigt, was viele Menschen beim Ausprobieren positiver Affirmationen selbst festgestellt haben: Dass sie nicht funktionieren.

Du kannst dein Selbstbild nicht von heute auf morgen ändern

Warum funktionieren positive Affirmationen bei vielen Menschen nicht oder führen sogar dazu, dass sie sich schlechter fühlen?

Aus dem simplen Grund, dass wir einen inneren Konflikt verspüren, wenn wir uns etwas einreden, das nicht mit unseren Erfahrungen und unserem Selbstbild übereinstimmt.

Ihr Selbstbild ist nicht gut

Suggerierst du dir etwas, was du nicht glaubst, hast du das Gefühl, dich selbst zu belügen.

Und dieser innere Konflikt führt dann zu noch mehr negativen Gedanken, wodurch du dich letztendlich noch schlechter fühlst.

Nehmen wir an, du bist ein schüchterner und unsicherer Mensch.

Redest du dir jetzt ein, dass du nur so vor Selbstvertrauen strotzt, wird sich wahrscheinlich eine kleine Stimme in deinem Kopf melden und dir widersprechen.

Dein Stimme wird sagen: Nein! Das stimmt doch gar nicht. Du bist nicht selbstsicher. Erzähle keinen Blödsinn, du Lügner!

Diese Stimme ist dein innerer Lügendetektor. Und dieser springt an, wenn du dir etwas einreden willst, was nicht mit deinem Selbstbild und deinen Erfahrungen übereinstimmt.

Rede dir nichts ein, was nicht stimmt

Mit Anfang zwanzig war ich im Umgang mit Frauen unsicher und nervös. Damals stellte ich mich öfter mal vor den Spiegel, schaute mir tief in die Augen und sagte: Ich bin ein attraktiver, interessanter und charmanter Mann, den Frauen wollen.

Diese Aussage fühlte sich jedoch falsch an. Jedes Mal sprang mein innerer Lügendetektor an und widersprach mir. Das lag daran, dass diese Aussagen nicht meinem Selbstbild entsprach.

Und das ist der springende Punkt.

Jeder Mensch hat ein gewisses Selbstbild, das sich über Jahre hinweg entwickelt hat. Dieses Selbstbild basiert unter anderem auf unseren Erfahrungen, unseren Glaubenssätzen, unseren Werten und unserem Umfeld. Dein Selbstbild ist zwar nicht in Stein gemeißelt, doch es lässt sich nicht von heute auf morgen ändern.

Gründe, warum positive Affirmationen oft nicht funktionieren

Oft wollen Menschen ihr Unterbewusstsein umprogrammieren. Doch das funktioniert nicht dadurch, dass du dir jeden Tag etwas einredest. Es muss auch durch Erfahrungen ergänzt werden.

Wenn eine Aussage also noch nicht mal ansatzweise deiner Erfahrung und deinem Selbstbild entspricht, wird sie wahrscheinlich nicht funktionieren. Dann kannst du dich genauso gut vor den Spiegel stellen und dir vollen Ernstes einreden, dass du ein Einhorn bist.

Wenn du also 30 kg über deinem Wunschgewicht bist und dir einredest, dass du schlank bist, wirst du das Gefühl haben, dich selbst zu belügen.

Genauso ist es, wenn du dich mit gequältem Lächeln davon überzeugen willst, dass du glücklich bist, obwohl dein Leben gerade den Bach runter geht und es dir verdammt dreckig geht.

Ob du dir nun suggerierst, dass du erfolgreich bist, dass du dich selbst liebst oder dass du unheimlich sexy und selbstbewusst bist – wenn es nicht deinen Erfahrungen und deinem Selbstbild entspricht, wirst du es nicht glauben können und dich dadurch wahrscheinlich noch schlechter fühlen.

Wenn positive Affirmationen nicht funktionieren, was tut es dann?

Vor einigen Jahren hatte ich eine heftige Panikattacke, die meiner Identität einen ordentlichen Knacks gab. Einige Wochen später dachte ich, dass mir positive Affirmationen vielleicht gut tun würden.

In einem ruhigen Augenblick ging ich also in mich sagte mir selbst: Ich liebe mich.

Kaum hatte ich den Satz gedanklich ausgesprochen, kaum wie aus dem Nichts eine Stimme die sagte: Nein, das tust du nicht.

Ich erschrak. Was zum Teufel war das denn? Hasse ich mich etwa selbst?

An sich hatte ich damals schon ein gutes und stabiles Selbstwertgefühl. Doch nach meiner Panikattacke aktivierte die Aussage Ich liebe mich meinen inneren Lügendetektor.

Daraufhin probierte ich neutralere Affirmationen wie Ich akzeptiere mich selbst. Diese funktionierten besser und fühlten sich stimmig an.

Neutrale Affirmationen

Der springende Punkt ist der: Positive Affirmationen können dir dabei helfen, dich selbst in einem besseren Licht zu sehen. Doch das klappt nur, wenn sie dir glaubwürdig erscheinen und du dabei nicht das Gefühl hast, dich selbst zu belügen.

Bei vielen Menschen funktionieren deshalb neutralere Affirmationen besser als positive.

Falls sich positive Affirmationen für dich merkwürdig anfühlen, dann probiere mal Aussagen, die dir realistisch und glaubwürdig erscheinen.

  • Statt dir einzureden, wie sehr du dich selbst liebst, kannst du sagen: Ich lerne gerade, mich selbst zu akzeptieren.
  • Statt dir einzureden, wie attraktiv und sexy du bist, kannst du sagen: Ich bin zwar kein Modell, aber mir gefallen meine Beine/Augen/Humor/Mitgefühl (oder was auch immer du an dir schätzt oder zumindest nicht schrecklich findest).
  • Statt dir einzureden, wie glücklich du bist, kannst du sagen: Mir ging es schon besser, aber mir ging es auch schon schlechter. Heute geht es mir ganz OK.
  • Statt dir einzureden, dass du alles schaffst, kannst du sagen: Jeden Tag glaube ich ein klein wenig mehr an mich.

Es gibt bessere Wege, sich besser zu fühlen

Anstatt dir also Ideale einzureden, die zu weit von deinem jetzigen Selbstbild entfernt sind, bleibe realistisch und suggeriere dir Affirmationen, die dir glaubhaft erscheinen und die sich stimmig anfühlen. Dadurch vermeidest du das Gefühl, dich selbst zu belügen.

Stelle dich also bitte nicht morgens vor den Badezimmerspiegel und rede dir ein, dass du Batman bist. Außer du bist Batman.

Was besser funktioniert als Affirmationen

Wenn du Affirmationen intelligent nutzt, können sie dir helfen, dich in einem besseren Licht zu sehen. Ich bin jedoch generell kein großer Fan von Affirmationen.

Was ich für viel effektiver als Affirmationen und ständiges positives Denken halte, ist die eigenen Gedanken logisch zu hinterfragen.

Lass mich das erklären.

Wenn du das nächste Mal negative Gedanken hast wie „ich bin wertlos“, „ich bin unattraktiv“ oder „ich bin unglücklich“ frage dich, ob sie mit der Realität übereinstimmen.

Nehmen wir als Beispiel den Gedanken „ich bin wertlos.“

Du kannst dich zu erst einmal fragen, was wertlos überhaupt bedeutet:

  • Bist du keinem Menschen auf dieser Welt wichtig?
  • Kannst du dich selbst nicht leiden?
  • Behandeln dich andere nicht so, wie du es dir wünscht?

Schon das Hinterfragen nimmt dem Gedanken ein wenig Kraft, weil du dich durch das logische Hinterfragen weniger mit ihm identifizierst.

Der nächste Schritt ist, Gegenbeispiele zu diesem Gedanken zu finden:

  • Ich kann nicht vollkommen wertlos sein, weil es Menschen gibt, denen ich wichtig bin (Partner, Familie, Freunde, etc).
  • Es stimmt auch nicht, dass ich immer alles an mir schrecklich finde. Es gab Momenten in meinem Leben, da war ich stolz auf mich und war mit mir zufrieden.
  • Es stimmt zwar, dass mich Menschen manchmal nicht fair behandeln. Aber das geht auch anderen Menschen so. Und wenn ich überlege, gibt es auch viele Menschen die mich sehr gut behandeln und sehr freundlich zu mir sind.

Denke logisch

Wenn du deine negativen Gedanken und Glaubenssätze hinterfragst, wirst du fast immer logische und reale Gründe finden, die dagegen sprechen. Und weil diese real und logisch sind, erscheinen sie dir wahrscheinlich auch glaubhaft.

Und falls dir das logische Hinterfragen deiner negativen Gedanken nicht weiterhilft, kannst du dich immer noch dazu entscheiden, deinen Gedanken nicht zu glauben.

Genau so, wie du den überschwänglich strahlenden Mitarbeiter von Unicef in der Fußgängerzone ignorierst, kannst du auch deine Gedanken ignorieren.

Deine Gedanken sind keine Fakten. Du kannst also selbst entscheiden, ob du einem Gedanken glauben willst oder nicht. Und gewisse Gedanken sollten dir schlichtweg am Arsch vorbeigehen.

Leidest du unter negativen Gedanken?

Nichts beeinflusst dein Leben mehr als deine Gedanken. In meinem Ratgeber Mindset erfährst du deshalb, wie du negative Gedanken loswirst, alten Schmerz hinter dir lässt und besser mit Stress umgehst. Trage deine E-Mail Adresse ein und ich schicke dir den Ratgeber kostenlos als PDF zu.

  1. Positive self-statements: power for some, peril for others (2009). Wood, J. V.; Perunovic, W. Q. & Lee, J. W. Psychol Sci. 2009 Jul;20(7):860-6. doi: 10.1111/j.1467-9280.2009.02370.x. Epub 2009 May 21.